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zur√ľck zu 1. Kapitel - Arbeitswerttheorie


I.a) Markt

Überall dort, wo Menschen regelmäßig Waren miteinander tauschen, entsteht ein Markt. Auf dem Markt stellen sich die Werte der verschiedenen Waren als Preise dar und machen so alle Waren miteinander vergleichbar und austauschbar.

Zum Markt geht der Besitzer von Ware, die f√ľr ihn selbst keinen Gebrauchswert, aber daf√ľr Tauschwert hat. Beispielsweise bringt ein Schuster allerlei Schuhe zum Markt, da er selbst ja nur ein Paar Schuh gleichzeitig tragen kann, und auch nur eins in seiner Gr√∂√üe. Er versucht dort einen anderen Warenbesitzer zu finden, dessen Ware f√ľr ihn brauchbar ist, z.B. einen Hutmacher. Der Hutmacher hat ebenfalls mehr H√ľte als er br√§uchte, sucht aber z.B. Honig. So stehen sich allerlei verschiedene Warenmengen, und somit Wertmassen, gegen√ľber.

Nehmen wir an, es stecke gleichviel Arbeit in je einem Paar Schuhe, einem Hut und einem Glas Honig. So kann der Schuster problemlos beim Hutmacher ein Paar Schuhe gegen einen Hut tauschen; der Hutmacher wiederum zwei H√ľte gegen zwei Gl√§ser Honig. Jeder von ihnen tauscht Ware (W) gegen Ware, oder kurz: W¬†-¬†W.

I.b) Geld

Einfacher Austausch:

Hier stehen sich direkt die Besitzer verschiedener Waren auf dem Markt gegen√ľber. Als Wert ihrer Waren gilt ihnen die daf√ľr verbrauchte Arbeitszeit.

Ware:

Arbeitszeit:

1Schuh

2Stunden

1Hut

2 Stunden

1 Glas Honig

2 Stunden

2 Flaschen Milch

2 Stunden

Denken wir uns nun einen Milchmann hinzu. Er isst auch gern Honig und tauscht mit diesem zwei Flaschen Milch pro Glas. Eines Tages hat ihm der Hutmacher aber bereits allen Honig weggekauft. Der Milchmann hat das Problem, dass seine Milch verdirbt, wenn er sie nicht verkauft; er muss sie also zeitnah verkaufen, damit nicht mit ihrem Gebrauchswert ihr Wert verf√§llt. In seiner Not tauscht er erstmal Schuhe ein, im Austausch f√ľr seine Milch, obwohl er schon Schuhe hat. Mit den Schuhen kann er dann das n√§chste Mal einen Honigvorrat eintauschen: ein Glas pro Paar Schuhe und zus√§tzlich noch eins f√ľr je zwei Flaschen Milch. Er hat in den Schuhen den Wert seiner Milch aufgespeichert. Die M√∂glichkeit Wert aufzuspeichern ist sehr wichtig. Selten sind M√§rkte so beschaffen, dass sie zuf√§llig die richtige Anzahl von Waren zum richtigen Zeitpunkt verf√ľgbar haben. Mit fortschreitender Warenproduktion und entsprechendem Austausch wird es also immer h√§ufiger, dass bestimmte Waren nur gekauft werden, um eine Weile Wert zu speichern, der sp√§ter wieder in den gew√ľnschten Gebrauchswert umgetauscht wird. Immer h√§ufiger werden also eben diese Waren hin- und hergetauscht. Sie verlieren mit der Zeit ihren eigentlichen Charakter als selbstst√§ndige Gebrauchswerte und werden Hilfsmittel der Warenzirkulation, gewisserma√üen L√ľckenf√ľller oder Pfandmarken f√ľr Gebrauchswerte. Sie werden Wertzeichen, Geld. Als solches bekommen sie spezifische Aufgaben, und so setzen sich recht bald als Geldware Produkte durch, die den Anspr√ľchen an sie am besten gerecht werden. Eine Geldware muss erstmal m√∂glichst robust und best√§ndig sein, dazu gut und beliebig portionierbar, jede Portion muss eine gleichm√§√üige Qualit√§t aufweisen, sie darf nicht zu sperrig sein bzw. sollte schon in geringen Mengen recht hochwertig sein, und nicht beliebig zu vervielf√§ltigen. Irgendwann setzen sich die Edelmetalle als Geldware durch, besonders Gold und Silber, da diese von Natur aus all jene Eigenschaften besitzen. Im hochentwickelten Kapitalismus werden selbst die Edelmetalle zu rar, um den Geldbedarf der weltweiten Zirkulation zu decken. Schlie√ülich wird das Goldgeld seinerseits durch Geldzeichen ersetzt - wertlose bunte Papierzettel und billiges Blechgeld (bisweilen sogar Plastikkarten und blo√üe Datenbankeintr√§ge).1

Man muss an dieser Stelle bemerken, dass das Geld selbst bzw. seine Produktion bereits ¬ĄVerschwendung von Arbeit¬ď ist. Schlie√ülich wird kein konkreter Gebrauchswert mehr dabei hergestellt. Stattdessen kommt ein Produkt heraus, das in die Zirkulationssph√§re eingesperrt wird und diese nicht mehr verl√§sst. Die gesamte Produktion von Werten geschieht nun gewisserma√üen doppelt, indem erst die Waren selbst produziert werden m√ľssen und parallel ihr Geldausdruck ihnen gegen√ľbergestellt wird. Durch das Aufkommen von Geld werden viele Mechanismen des Warenaustauschs verschleiert. Es scheint, dass nicht mehr die Waren selbst Wert besitzen, sondern dass sie diesen erst durch ihren Austausch mit der Geldware bekommen. Es stehen sich pl√∂tzlich auch nicht mehr Warenbesitzer direkt gegen√ľber, die Nichtgebrauchswerte in Gebrauchswerte eintauschen. Dadurch, dass sie jetzt die Zwischenstufe Geld ben√∂tigen, kann der Warenkreislauf sogar unterbrochen werden. War fr√ľher Verkauf und Kauf der Ware derselbe Akt, W¬†-¬†W, so sind jetzt unter dem Einfluss des Geldes (G) zwei unabh√§ngige Akte daraus geworden - Verkauf, W¬†-¬†G und Kauf, G¬†-¬†W. W√§hrend aber die Waren wechselseitig den Markt erst betreten, um ihn recht bald wieder zu verlassen, wandert das Geld in umgekehrter Richtung - durch einen Warenverkauf verl√§sst es den Markt in Richtung Geldb√∂rse des Verk√§ufers. Sp√§ter wird es von dort wieder in den Markt zur√ľckgeworfen, und wenn auch nicht sofort vollst√§ndig, so kommt der Rest fr√ľher oder sp√§ter nach.

Geld wird zum Ausdruck von Reichtum. Ein gro√ües Geldverm√∂gen stellt eine gewisse Macht dar; n√§mlich die Macht, viele Waren davon kaufen zu k√∂nnen. Dennoch ist es nicht das Geld, das den Reichtum ausmacht, es sind die Waren selbst, denn nur sie kann man gebrauchen, nur sie besitzen Wert (wie in Zeiten starker Inflation zu bemerken). Geldverm√∂gen ist oft auch nur ein Anzeichen f√ľr Macht (in der Regel Macht eines Ausbeuters), die allerdings der Geldbesitzer oft schon vorher besa√ü und mit dessen Hilfe er eben jenen Schatz scheffelte. Es entsteht der Geldfetischismus. Das Geld wird als √ľber der Gesellschaft stehende, sie lenkende Macht angesehen und verdeckt die dahinterstehende Macht des Privateigentums, n√§mlich Menschen ausbeuten zu k√∂nnen. Immer st√§rker beherrscht das Geld alle sozialen Verh√§ltnisse, dringt immer tiefer zwischen die Menschen und macht nach und nach alles und jeden, den es ber√ľhrt, zur k√§uflichen Ware. Der Warenfetischismus ist nur ein anderer Ausdruck desselben Verh√§ltnisses. Durch viele und teure Waren (Auto, Schmuck, Elektronik etc.) repr√§sentieren die h√∂hergestellten Mitglieder der Gesellschaft ihren Status und ihr Eigentum.

Der Warenfetischismus. Unter den Bedingungen der auf dem Privateigentum an den Produktionsmitteln beruhenden Warenproduktion zeigt sich der im Produktionsprozess bestehende gesellschaftliche Zusammenhang zwischen den Menschen erst durch die Vermittlung des Austauschs der Sachen als Waren. Das Schicksal der Warenproduzenten h√§ngt eng mit dem Schicksal der von ihnen geschaffenen Sachen als Waren zusammen. Die Warenpreise ver√§ndern sich st√§ndig unabh√§ngig vom Willen und Bewusstsein der Menschen, und dabei ist das Preisniveau f√ľr die Warenproduzenten nicht selten eine Lebensfrage.

Die Verh√§ltnisse der Sachen verbergen die gesellschaftlichen Verh√§ltnisse der Menschen. So bringt der Wert der Ware das gesellschaftliche Verh√§ltnis der Warenproduzenten zum Ausdruck, doch erscheint er als eine ebenso nat√ľrliche Eigenschaft der Ware wie etwa deren Farbe oder Gewicht.

Somit treten in der auf dem Privateigentum beruhenden Warenwirtschaft die Produktionsverh√§ltnisse der Menschen unvermeidlich als Verh√§ltnisse zwischen Sachen in Warengestalt in Erscheinung. In dieser Versachlichung der Produktionsverh√§ltnisse besteht eben der f√ľr die Warenproduktion charakteristische Warenfetischismus2.

Besonders deutlich tritt der Warenfetischismus im Geld zutage. In der Warenwirtschaft ist das Geld eine gewaltige Kraft, die dem Besitzer Macht √ľber die Menschen gibt. F√ľr Geld kann man alles kaufen. Es entsteht der Anschein, als sei diese F√§higkeit, alles kaufen zu k√∂nnen, eine nat√ľrliche Eigenschaft des Goldes, w√§hrend sie in Wirklichkeit das Ergebnis bestimmter gesellschaftlicher Verh√§ltnisse ist.

Der Warenfetischismus ist tief in der Warenproduktion verwurzelt, in der die Arbeit der Warenproduzenten unmittelbar als private Arbeit auftritt und ihr gesellschaftlicher Charakter sich erst im Austausch der Waren zeigt. Erst mit der Beseitigung des Privateigentums an den Produktionsmitteln verschwindet auch der Warenfetischismus.3

I.c) Zirkulationsmittel

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der Kapitalkreislauf
Geld ist haupts√§chlich erstmal dazu da, die Warenzirkulation zu vermitteln. Es ist das Ma√ü der Werte; eben dadurch, dass es abstrakte Arbeit beispielhaft repr√§sentiert, n√§mlich jene Arbeit, die in einer M√ľnze Gold steckt. Es ist auch der Ma√üstab der Preise4; gewisserma√üen eine Messlatte, auf der die Wertgr√∂√üe einer Waren gemessen werden kann in Vielfachen eines einfachen Goldquantums.5

Welche Menge an Geldware √ľblicherweise ben√∂tigt wird, h√§ngt von verschiedenen Umst√§nden ab. Das Geld muss nat√ľrlich ausreichen, um s√§mtliche K√§ufe und Verk√§ufe zu vermitteln. Die Preissumme der auf einem Markt befindlichen Waren spielt also eine Rolle. Allerdings wird das Geld ja regelm√§√üig auf den Markt zur√ľckgebracht, au√üerhalb hat es schlie√ülich keine Funktion. Ein einzelnes Geldst√ľck kann so hintereinander viele verschiedene Warenzirkulationen vermitteln. In obigem Beispiel kann z.B. unser Schuster seine Schuhe f√ľr eine M√ľnze verkaufen, gibt diese M√ľnze dem Hutmacher als Tausch gegen den Hut, dieser gibt die M√ľnze dem Imker f√ľr den Honig, schlie√ülich wandert die M√ľnze zum Milchmann. Ein einzelnes Geldst√ľck hat hier die Zirkulation einer Wertmasse erledigt, die viermal so gro√ü ist wie seine eigene, obwohl sie immer nur gegen gleichwertige Waren getauscht wurde. Wir kommen zu folgender Gleichung:

I.d) Wertgesetz

Das Wertgesetz als √∂konomisches Gesetz der Warenproduktion. In der auf dem Privateigentum beruhenden Warenwirtschaft werden die Waren von isolierten Privatproduzenten hergestellt. Zwischen den Warenproduzenten herrscht Konkurrenzkampf; jeder sucht den anderen zu verdr√§ngen und seine Position auf dem Markt zu behaupten und auszubauen. Der Produktion liegt kein Gesamtplan zugrunde. Jeder produziert isoliert, unabh√§ngig von den anderen. Niemand wei√ü, wie gro√ü der Bedarf f√ľr die von ihm hergestellte Ware ist und wie viele andere Warenproduzenten die gleiche Ware herstellen, ob er die Ware auf dem Markt absetzen kann und ob ihm sein Arbeitsaufwand ersetzt wird. Mit der Entwicklung der Warenproduktion verst√§rkt sich die Gewalt des Marktes √ľber die Warenproduzenten immer mehr.

Dies bedeutet, dass in der auf dem Privateigentum an den Produktionsmitteln beruhenden Warenproduktion das √∂konomische Gesetz der Konkurrenz und der Anarchie der Produktion wirksam ist. Dieses Gesetz bringt den elementaren Charakter der Produktion und des Austauschs, den Kampf zwischen den privaten Warenproduzenten um g√ľnstigere Bedingungen f√ľr die Produktion und den Verkauf der Waren zum Ausdruck.

Unter den Bedingungen der Anarchie der Produktion, die in der auf dem Privateigentum beruhenden Warenwirtschaft herrscht, tritt als elementarer Regulator der Produktion das Wertgesetz auf, das sich mithilfe der Marktkonkurrenz durchsetzt.

Das Wertgesetz ist das ökonomische Gesetz der Warenproduktion, dem zufolge sich die Waren entsprechend der zu ihrer Herstellung aufgewandten gesellschaftlich notwendigen Arbeitsmenge austauschen.

Das Wertgesetz reguliert die Verteilung der gesellschaftlichen Arbeit und der Produktionsmittel auf die verschiedenen Zweige der Warenwirtschaft elementar vermittels des Preismechanismus. Unter dem Einfluss der Schwankungen im Verh√§ltnis von Angebot und Nachfrage weichen die Preise der Waren st√§ndig nach oben oder nach unten von ihrem Wert ab. Die Abweichungen der Preise vom Wert sind nicht das Ergebnis eines fehlerhaften Wirkens des Wertgesetzes, sondern im Gegenteil die einzig m√∂gliche Art der Durchsetzung des Wertgesetzes. In einer Gesellschaft, in der sich die Produktion in den H√§nden von Privateigent√ľmern befindet, die aufs Geratewohl produzieren, lassen nur die elementaren Preisschwankungen auf dem Markt den Warenproduzenten wissen, welche Produkte in zu gro√üer oder zu geringer Menge im Vergleich zur kaufkr√§ftigen Nachfrage der Bev√∂lkerung produziert wurden. Erst die elementaren Schwankungen der Preise um den Wert veranlassen die Warenproduzenten, die Produktion dieser oder jener Waren zu erweitern oder einzuschr√§nken. Unter dem Einfluss der Preisschwankungen wenden sich die Warenproduzenten den Zweigen zu, die ihnen im gegebenen Moment g√ľnstigere Aussichten bieten.6

Das Wertgesetz ist die wichtigste Grundlage zum Verst√§ndnis der Funktion von M√§rkten. Wie alle √∂konomischen Gesetze gilt es unabh√§ngig vom Willen der einzelnen Menschen; im Gegenteil wirkt es erst dadurch, dass die Menschen individuell agieren. So wird die Freiheit der einen durch das Wertgesetz zum Sachzwang f√ľr die anderen. Ein Produzent z.B., der aufgrund besserer Maschinen in der Lage ist, seine Preise zu senken, zwingt fr√ľher oder sp√§ter seine Konkurrenten, ihre Preise anzugleichen oder sie werden vom Markt verdr√§ngt.

Da auf allen M√§rkten das Wertgesetz gilt, ist es klar, dass in der Summe die Marktteilnehmer im Markt selbst weder verarmen, noch sich bereichern k√∂nnen. Es kann keine gr√∂√üere Wertsumme aus dem Markt herauskommen als hereingesteckt wurde, oder anders ausgedr√ľckt: die Zirkulation der Waren selbst ben√∂tigt keine Verausgabung von Arbeit und produziert somit keinen Wert.7

Nehmen wir an, ein Markt beinhalte folgende Waren:

Warengattung

Gesamtwert

Lebensmittel

30.000€

Kleidung

10.000€

Werkzeug

5.000€

Spielzeug

20.000€

Elektronik

40.000€

Schmuck

15.000€



Nehmen wir zus√§tzlich noch an, es k√§men √ľber l√§ngere Zeit genug K√§ufer um s√§mtliche Waren zu kaufen. Der Gesamtumsatz f√ľr diese Waren betr√§gt:

30.000€ + 10.000€ + 5.000€ + 20.000€ + 40.000€ + 15.000€ = 120.000€

Dazu kommt noch ein Geldvermögen von 120.000€ auf den Markt, sodass sich insgesamt 240.000€ an Werten jeglicher Form auf dem Markt befinden. Hier können wir nun die Wirkung des Wertgesetzes gut beobachten.

120.000¬Ä ist die gesamte Geldsumme, die die Verk√§ufer an diesem Markt maximal verdienen k√∂nnen, und zwar unabh√§ngig von der Verteilung dieses Betrags auf die einzelnen Verk√§ufer. Es kann gut sein, dass die Elektronikh√§ndler ihre Ger√§te nicht f√ľr insgesamt 40.000¬Ä, sondern f√ľr 50.000¬Ä verkaufen. Daf√ľr werden dann vielleicht die Lebensmittel, deren Anbieter sich gerade gegenseitig vom Markt zu dr√§ngen versuchen, nur f√ľr insgesamt 20.000¬Ä verkauft. Am Ende gehen die Marktteilnehmer insgesamt wieder mit den 240.000¬Ä an Werten nach Hause, mit denen sie herkamen. Die Waren und das Geld haben nur ihre Position gewechselt. Reicher oder √§rmer geworden sind sie in der Summe nicht, selbst wenn nun ein Lebensmittelhersteller pleite sein sollte.

Angenommen aber, Angebot und Nachfrage decken sich nicht. Es kann sein, dass nicht alle Waren verkauft werden. Z.B. bleiben 10.000¬Ä an Spielzeug unverkauft. Dann nehmen die Spielzeughersteller statt des erwarteten Geldes ihr Spielzeug wieder mit, was die gesamte Wertsumme am Markt unber√ľhrt l√§sst.8 Ebenso in dem Fall, dass die Nachfrage das Angebot √ľbersteigt. Solange nur 120.000¬Ä an Geld zur Verf√ľgung stehen, k√∂nnen auch nur 120.000¬Ä an Warenwert umgesetzt werden. Die h√∂here Nachfrage w√ľrde sich dann nur auf die Geschwindigkeit auswirken, mit der das Angebot umgesetzt w√ľrde. Sozusagen w√§re ¬ĄPlatz f√ľr mehr¬ď auf dem Markt vorhanden, den die Anbieter in Zukunft dann auch f√ľllen w√ľrden.

Selbst wenn wir annehmen, dass die Verk√§ufer mit dem erworbenem Geld untereinander Handel treiben, sodass das Geld mehr als einmal zirkuliert, geht die Rechnung noch immer auf. Der Werkzeugh√§ndler kaufe z.B. von seinem Geld ein Drittel des Schmucks auf. Dann ist nat√ľrlich erstmal zuviel Geld auf dem Markt verf√ľgbar, denn die 5.000¬Ä des Werkzeugk√§ufers zirkulieren ein zweites Mal. Andere Schmuckk√§ufer w√ľrden nun mangels Angebot leer ausgehen und m√ľssten ihre 5.000¬Ä wieder heimtragen. Es w√§re dasselbe, als h√§tten auf dem Markt von Anfang an zwar die 120.000¬Ä Warenwert, aber nur 115.000¬Ä Geldwert zur Verf√ľgung gestanden. Die √ľbrigen 5.000¬Ä sind nicht in die Zirkulation mit eingegangen und k√∂nnen somit auch niemanden bereichert oder verarmt haben.

In der allt√§glichen Praxis treten diese Zusammenh√§nge nie rein ans Licht. Die √ľblichen Warenumschlagspl√§tze, Gro√ü- und Einzelh√§ndler z.B., werden st√§ndig neu beliefert, auch wenn sie ihre ¬Ąalten¬ď Waren gro√üenteils noch garnicht umgesetzt haben. Dazu kommen noch andere Faktoren, wie Wert- und Preisschwankungen. In gewissen Perioden stehen die Preise der Waren mal √ľber, mal unter dem Wert. Langfristig gleichen sich diese Schwankungen notwendigerweise aber aus, sofern sie nicht auf den Wert selbst zur√ľckwirken (also f√ľr ¬Ąhungrige¬ď M√§rkte die Produktion verbessert und somit der Einzelwert der Ware ver√§ndert wird). Nicht zuletzt treten Unterschiede im Wert des Geldes selbst auf, die die ganze Bewegung schwer erfassbar machen. Dennoch gilt nat√ľrlich auch hier, gewisserma√üen unsichtbar im Hintergrund, unver√§ndert das Wertgesetz.

Der praktischen Wirkung nach betrachtet lässt sich das Wertgesetz wie folgt formulieren:

Summe aller Werte = Summe aller Preise

I.e) Kapitalkreislauf

Der Markt dient urspr√ľnglich dazu, als Warenaustauschplatz die gesellschaftliche Produktion zu verteilen. Man geht zum Markt, um Gebrauchswerte, die man selbst nicht braucht, gegen Gebrauchswerte, die man braucht, auszutauschen. Das Geld dient als Hilfsmittel, um die gleichwertigen Mengenverh√§ltnisse verschiedener Waren zueinander bestimmen zu k√∂nnen. Mit dem Geld (G), das die eigene Ware (W1) einbringt, wird fremde Ware (W2) erworben; es wird verkauft, um zu kaufen: W1¬†-¬†G¬†-¬†W2. Damit ist der Prozess der Warenmetamorphose auch schon abgeschlossen, die Zirkulation beendet. Ein Markt besteht nat√ľrlich aus sehr sehr vielen solcher atomarer Austauschprozesse, die nebeneinander ablaufen und ineinandergreifen.

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Allerdings tritt noch ein anderes Ph√§nomen auf: der Kapitalkreislauf. Es ist m√∂glich, mit einer gewissen Mindestsumme an Geld Ware zu kaufen, die man wieder verkauft, und zwar m√∂glichst teurer als der Einkauf war. Das Geld soll sich vermehren, G soll sich in G + ΔG, in G' verwandeln.


Diese Art des Kreislaufs ist fundamental f√ľr jede Art von Kapital. Eine Geldsumme wird ausgegeben, nicht zum direkten Erwerb von Gebrauchsgegenst√§nden, sondern um sich zu vermehren, um weiteres Geld zu erwerben. Das regelm√§√üige Gelingen dieses Prozesses macht eine bestimmte Wert- bzw. Geldsumme zu Kapital; der zus√§tzliche Wert, den das Kapital durch seine Zirkulation aufsaugt, ist der Mehrwert (die entwickeltere Variante des Mehrprodukts, wie sich in III zeigen wird).

Auf den ersten Blick scheint die Form G¬†-¬†W¬†-¬†G' dem Wertgesetz zu widersprechen. Schlie√ülich bestimmt das Wertgesetz, dass √§quivalente, also gleichwertige Waren miteinander getauscht werden. Wenn also G¬†=¬†W ist, m√ľsste W¬†=¬†G' sein, und dann kann kein ΔG, kein Mehrwert bzw. Gewinn existieren.

Betrachten wir das Problem nach seiner praktischen Seite. Schl√§gt man einfach einen Betrag auf den Wert einer Warenmenge drauf, so vertreibt man in selbem Ma√ü K√§ufer. Selbst wenn dies nicht der Fall ist, werden sich schnell Konkurrenten finden, die die gleichen Waren verkaufen, und der Markt wird schnell √ľberf√ľllt, sodass die Nachfrage versiegt und die Preise gesenkt werden m√ľssen. Man kann bestimmte Waren auch von einem Markt, auf dem sie g√ľnstig sind, zu einem anderen exportieren, auf dem sie teurer sind (was ja nur bedeutet, dass jede Ware dort mehr verausgabte Arbeit verk√∂rpert). Auf diese Weise kann man kurzfristig sicher einen Gewinn machen. Doch l√§ngerfristig betrachtet verst√§rkt das nur die Konkurrenz unter den Anbietern, und die Produzenten des Exportmarkts werden entweder ihre Produktion verbessern, um ihrerseits ihre Waren g√ľnstiger anbieten zu k√∂nnen, oder schlie√ülich ruiniert werden und verschwinden, wodurch auch die Preisdifferenz verschwindet, die den Gewinn ausmachte (wir erinnern uns: Wert = durchschnittliche Verausgabung von Arbeit). Wie wir uns drehen und wenden, der Wert der erst gekauften, dann wieder verkauften Ware bleibt bei aller Marktaktivit√§t ann√§hernd gleich. Um aus G G' zu machen, muss die gekaufte Ware selbst ihren Wert vergr√∂√üern.

Die Verwandlung des Geldes in Kapital ist auf Grundlage dem Warenaustausch immanenter Gesetze zu entwickeln, sodass der Austausch von √Ąquivalenten als Ausgangspunkt gilt. Unser nur noch als Kapitalistenraupe vorhandener Geldbesitzer muss die Waren zu ihrem Wert kaufen, zu ihrem Wert verkaufen und dennoch am Ende des Prozesses mehr Wert herausziehen, als er hineinwarf. Seine Schmetterlingsentfaltung muss in der Zirkulationssph√§re und muss nicht in der Zirkulationssph√§re vorgehen. Dies sind die Bedingungen des Problems. Hic Rhodus, hic salta!

Die Wertver√§nderung des Geldes, das sich in Kapital verwandeln soll, kann nicht an diesem Geld selbst vorgehen, denn als Kaufmittel und als Zahlungsmittel realisiert es nur den Preis der Ware, die es kauft oder zahlt, w√§hrend es, in seiner eignen Form verharrend, zum Petrefakt [Versteinerten] von gleichbleibender Wertgr√∂√üe erstarrt. Ebensowenig kann die Ver√§nderung aus dem zweiten Zirkulationsakt, dem Wiederverkauf der Ware, entspringen, denn dieser Akt verwandelt die Ware blo√ü aus der Naturalform zur√ľck in die Geldform. Die Ver√§nderung muss sich also zutragen mit der Ware, die im ersten Akt G¬†-¬†W gekauft wird, aber nicht mit ihrem Wert, denn es werden √Ąquivalente ausgetauscht, die Ware wird zu ihrem Wert bezahlt. Die Ver√§nderung kann also nur entspringen aus ihrem Gebrauchswert als solchem, d.h. aus ihrem Verbrauch. Um aus dem Verbrauch einer Ware Wert herauszuziehen, m√ľsste unser Geldbesitzer so gl√ľcklich sein, innerhalb der Zirkulationssph√§re, auf dem Markt, eine Ware zu entdecken, deren Gebrauchswert selbst die eigent√ľmliche Beschaffenheit bes√§√üe, Quelle von Wert zu sein, deren wirklicher Verbrauch also selbst Vergegenst√§ndlichung von Arbeit w√§re, daher Wertsch√∂pfung. Und der Geldbesitzer findet auf dem Markt eine solche spezifische Ware vor - das Arbeitsverm√∂gen oder die Arbeitskraft.9

I.f) Zusammenfassung

  • Auf M√§rkten treffen sich Warenbesitzer um ihre Waren auszutauschen. Grundlage daf√ľr ist der Tauschwert; er bestimmt die Mengenverh√§ltnisse verschiedener gleichwertiger Warenmassen zueinander.
  • Geld entsteht aus der Notwendigkeit, Wert aufzuspeichern, sollte der Warenaustausch unterbrochen werden. Edelmetalle werden √ľblicherweise zur vorherrschenden Geldware, aber auch sie werden schlie√ülich von Geldzeichen (Papiergeld) abgel√∂st.
  • Mit dem Geld, das sich seiner Menge proportional zu einer gesellschaftlichen Macht entwickelt, entsteht der Geld- und Warenfetischismus. Die Menschen ordnen sich noch mehr den √∂konomischen Verh√§ltnissen unter und mystifizieren diese.
  • Auf M√§rkten herrscht die Konkurrenz der Verk√§ufer und K√§ufer untereinander vor. Diese verhindert effiziente Planung von Produktion und Verteilung; es herrscht Anarchie. Dadurch werden zunehmend viele Werte vernichtet.
  • Das Wertgesetz bestimmt den Austausch auf dem Markt. Es besagt, dass die Waren in der Summe zu ihren Werten - die bestimmt sind durch die durchschnittliche gesellschaftliche Arbeitszeit, die die Waren enthalten - ausgetauscht werden, und dass sich in der Summe daran niemand bereichern kann.
  • Der Kapitalkreislauf entspringt der Warenzirkulation. Eine Geldmenge wird zu Kapital, sofern sie es vermag, sich regelm√§√üig durch die Zirkulation zu vermehren.
  • Auf dem Markt werden durch Arbeit geschaffene Werte nur verteilt, es kann kein weiterer Wert dazukommen. Nur die Verausgabung von Arbeitskraft, also nur die Produktion, schafft Wert.



weiter zu 3. Kapitel - Produktion


Anmerkungen:
1 Dies mag auf den ersten Blick befremdlich erscheinen, tut aber, wie oben erkl√§rt, den Funktionen und Eigenschaften des Geldes keinen Abbruch. Denn auch wenn das urspr√ľngliche Geld, als Wertzeichen, schlie√ülich selbst wertlos geworden ist, erf√ľllt es immernoch seinen Zweck als Hilfsmittel der Waren- und somit Wertzirkulation. Das fr√ľher so wichtige Gold besitzt zwar nach wie vor hohen Wert (steckt eben viel Arbeit drin), ist aber fast vollst√§ndig aus der Zirkulation verdr√§ngt und wird heutzutage haupts√§chlich zu industriellen Zwecken verwendet (Elektronik, aber auch Schmuck etc.).
2 Die f√ľr die Warenproduktion charakteristische Versachlichung der Produktionsverh√§ltnisse wird deswegen ¬ĄWarenfetischismus¬ď genannt, weil sie dem Fetischismus in der Religion √§hnelt, der darin besteht, dass die Urmenschen von ihnen selbst geschaffene Gegenst√§nde als G√∂tter verehrten.
3 ¬ĄPolitische √Ėkonomie - Lehrbuch¬ď, Berlin 1955, Kapitel IV, S. 95f.
4 An dieser Stelle noch ein Hinweis auf Inflation/Deflation. Beide Begriffe bedeuten eine Ver√§nderung des Preisma√üstabs, sonst nichts. Der Wert, den eine bestimmte Masse M√ľnzen und Scheine repr√§sentiert, wird hierdurch beeinflusst, damit auch deren Kaufkraft. Gerade im Fall der Inflation wird dieser Zusammenhang h√§ufig mystifiziert; die ¬ĄPreissteigerungen¬ď scheinen ein unabwendbares Schicksal moderner Wirtschaft zu sein, die den armen Arbeitern die L√∂hne auffrisst. Man muss allerdings konsequent sein und fragen, wo denn das Geld hingeht, dass dem Arbeiter dadurch entgeht. So offenbart sich, dass die Inflation nur eins von vielen Mitteln der Ausbeuter ist, den Arbeiter um seinen Lohn zu prellen.
5 Es gibt auch noch weitere Funktionen des Geldes, wie z.B. seine Funktionen als Rechengeld und Zahlungsmittel, welche die Grundlage des Kreditsystems mit seinen verwirrenden Entwicklungen sind. F√ľr die Zwecke dieses Readers sind jene Funktionen wenig relevant; der interessierte Leser sei auf ¬ĄDas Kapital¬ď, Bd. 1, Kapitel 3, ¬ĄDas Geld oder die Warenzirkulation¬ď verwiesen.
6 ¬ĄPolitische √Ėkonomie - Lehrbuch¬ď, Berlin 1955, Kapitel IV, S. 93f.
7 Dagegen sind nat√ľrlich f√ľr die Warenzirkulation bestimmte Voraussetzungen zu schaffen. Diese Art Arbeiten - allen voran Transportarbeit - sind tats√§chlich wertbildend, auch wenn sie nicht mehr der Produktion direkt zugeh√∂rig scheinen. Solche Arbeit verschwimmt an und mit der Grenze zum Zirkulationsprozess.
8 Dass unverk√§ufliche Ware eben dadurch, dass sie als Warenwert produziert, aber nicht realisiert wurde, fr√ľher oder sp√§ter entwertet wird, spielt f√ľr unser Beispiel keine Rolle. Gesamtwirtschaftlich sind aber die Wirkungen gerade der chaotischen kapitalistischen √úberproduktion problematisch. Es wird - mangels zentraler Planung - st√§ndig Arbeit verschwendet f√ľr Waren, die aufgrund zu gro√üer Masse entweder niemand kaufen kann oder in der Tat niemand gebrauchen kann. Die Wirkung ist die gleiche, als w√§re f√ľr die notwendige Warenmasse gleichen Typs √ľberm√§√üig viel Arbeit aufgewendet worden, die sich nun auf weniger (umsetzbare) Waren verteilt. Z.B.: 500.000 Arbeitsstunden sind gesellschaftlich n√∂tig, um den Bedarf an Bier f√ľr einen gewissen Zeitraum zu decken. Es wurden 1.000.000 Arbeitsstunden aufgewandt. Somit verteilt sich das Wertprodukt von 500.000 Arbeitsstunden auf die doppelte Menge Bier. Nun verkaufen entweder die Brauer nur die H√§lfte ihres Produkts zum √ľblichen Preis, oder schlagen die Ware zum halben Preis los. Der halbe Wert des Bieres wird so oder so vernichtet. Vgl. K. Marx, ¬ĄDas Kapital¬ď, Bd. 1, in MEW, Bd. 23, S. 121f.
9 K. Marx, ¬ĄDas Kapital¬ď, Bd. 1, in MEW, Bd. 23, S. 180f.