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Freitag, 29.08.2008:
Außer Kontrolle

(Eigener Bericht) - Der deutsche Außenminister warnt vor einer Ausweitung des Kaukasus-Konflikts auf die Ukraine. Hintergrund sind jüngste Maßnahmen Kiews gegen die russische Schwarzmeerflotte. Man müsse "alles tun, dass die Krise im südlichen Kaukasus nicht zu einer Krise der gesamten Schwarzmeerregion" werde, sagt Frank-Walter Steinmeier mit Blick auf antirussische Maßnahmen der ukrainischen Regierung. Berlin hat selbst dazu beigetragen, die Eskalation zu ermöglichen - mit offensiven Militärvorhaben im Gebiet rings um das Schwarze Meer, die die Anpassung der ukrainischen Armee an westliche Standards ebenso beinhalten wie NATO-Kriegsübungen nahe der russischen Küste. Ein aktuelles NATO-Manöver im Schwarzen Meer - mit Beteiligung der deutschen Marine -, das von Moskau als Bedrohung verstanden wird, setzt eine Reihe früherer Provokationen fort. Deren letzte geschah nur wenige Tage vor dem georgischen Angriff auf Südossetien: Ende Juli sprangen deutsche Fallschirmjäger im Rahmen einer Kriegsübung auf der ukrainischen Halbinsel Krim ab, wo die Schwarzmeerflotte ihre Basis hat; auch wurden dort ukrainische Elitesoldaten nach deutschen Standards geschult. Das Vordringen des Westens an die Südküste der Ukraine schwächt Russland und bildet die Grundlage für Kiews jüngsten Vorstoß.



Donnerstag, 28.08.2008:
Piratenjagd

Die Informationen zur Deutschen Außenpolitik (german-foreign-policy.com) werden von einer Gruppe unabhängiger Publizisten und Wissenschaftler zusammengestellt, die das Wiedererstarken deutscher Großmachtbestrebungen auf wirtschaftlichem, politischem und militärischem Gebiet kontinuierlich beobachten. german-foreign-policy.com erscheint mehrsprachig, um die kritische Berichterstattung über hegemoniale Taktiken und Strategien des vereinigten Deutschland einem internationalen Leserkreis zu eröffnen.

Webseite von www.german-foreign-policy.com besuchen
(Eigener Bericht) - Die deutsche Kriegsmarine bereitet sich auf ihren ersten Kampfeinsatz zur "Piratenjagd" vor. Noch in diesem Jahr wird die EU eine Flottille vor die Küste Somalias entsenden, um dort gegen die Kaperung westlicher Handelsschiffe einzuschreiten, bestätigt der Verteidigungsminister. Zur Legitimierung des Einsatzes soll die UNO herangezogen werden. Die Operationen, über die bereits im September entschieden wird, verschaffen der EU eigene Kommandobefugnisse in Gewässern, die gegenwärtig durch Schiffe der US-geführten "Anti-Terror"-Koalition kontrolliert werden. Zugleich erweitern sie das Handlungsspektrum der deutschen Marine von der bisherigen defensiven "Nothilfe" für angegriffene Boote auf offensives Vorgehen gegen kriminelle Banden. Weil der Einsatz im EU-Rahmen erfolge, könne man über Bestimmungen des Grundgesetzes hinwegsehen und Soldaten zur Verbrechensbekämpfung einsetzen, behauptet Berlin. Einen baldigen Marineeinsatz zur "Piratenjagd" fordern besonders deutsche Reeder, denen durch Kaperungen wachsende Verluste entstehen, darunter der Chef der Bremer Reederei Beluga. Ihr gehört ein vor wenigen Tagen entführtes Schiff.



Mittwoch, 27.08.2008:
Am Abgrund

(Eigener Bericht) - Die deutsche Kanzlerin kündigt eine Neuausrichtung der Beziehungen zwischen der EU und Russland an. Es sei "nicht akzeptabel", dass Moskau die Sezession der georgischen Teilrepubliken Südossetien und Abchasien anerkenne, erklärt Angela Merkel; gleichlautend äußert sich Außenminister Frank-Walter Steinmeier. Damit rückt das westliche Bündnis näher zusammen und nimmt im Kaukasuskonflikt eine einheitlichere Frontstellung ein. Berlin hatte in den letzten Wochen nach Kräften versucht, die Eskalation zu vermeiden, um aus einer Äquidistanz zwischen Moskau und Washington maximalen Vorteil zu ziehen. Dieser Versuch droht nun zusammenzubrechen, da die russische Antwort im Kaukasus strategische Absichten des Westens gefährdet. Sie zielen auf eine fortschreitende militärische Einkreisung des Gegners, dessen wirtschaftliche Potenz jedoch nicht erdrosselt werden soll. Insbesondere russische Rohstofflieferungen und Aufträge für die Maschinenindustrie sowie das High-Tech-Gewerbe werden in der Bundesrepublik benötigt. In diesem Segment beklagen einflussreiche Teile der deutschen Wirtschaft die zunehmende Konfrontation. Ihr boomendes Russlandgeschäft steht jetzt ebenso in Frage wie die ehrgeizigen deutsch-russischen Energieprojekte. Das drohende Aus der Berliner Schaukelpolitik, die militärisch im Westen und ökonomisch stark ostwärts ausgerichtet ist, lässt die deutsche Stellung bei sich zuspitzenden NATO-Konfrontationen mit dem Rest der Welt deutlich erkennen.



Dienstag, 26.08.2008:
Zu schlicht

(Eigener Bericht) - Nach dem Massaker westlicher Truppen an fast 100 Zivilisten in Afghanistan gerät die Marionettenregierung in Kabul weiter unter Druck. Mit der Entlassung zweier hochrangiger Militärs sucht Staatspräsident Hamid Karzai spontane Revolten zu besänftigen; die Bewohner des Dorfs Azizabad (bei Herat) hatten sich nach den Luftangriffen vom vergangenen Wochenende gegen die einheimischen Hilfskräfte der NATO-Besatzer erhoben. Ob Karzai, dessen Ansehen wegen seiner Handlangerdienste für den Westen immer mehr schwindet, noch lange im Amt gehalten werden kann, ist ungewiss; als sein Nachfolger ist der US-Diplomat Zalmay Khalilzad im Gespräch. Auf die desaströse Entwicklung in Afghanistan reagiert Berlin mit der Entsendung neuer Truppen. Gleichzeitig stellen Regierungsberater weitere Überlegungen für den Fall an, dass es in absehbarer Zeit tatsächlich zum Vormarsch islamistischer Aufständischer auf Kabul kommt. Die Auffassung, eine Machtübernahme der Islamisten werde "die Gefahren für die internationale Gemeinschaft entscheidend vergrößern", sei "zu schlicht", urteilt die Stiftung Wissenschaft und Politik. Ein Rückzug vom Hindukusch wird unter Regierungsberatern inzwischen ernsthaft erwogen.



Montag, 25.08.2008:
Bär und Drache

(Eigener Bericht) - In einem "Handlungskatalog" für das deutsche Bundeskanzleramt sagen die Autoren aus Bundeswehr und Wirtschaft eine "drohende bewaffnete Auseinandersetzung" mit Russland und China voraus. Ursache seien kommende Energieengpässe, die zu schweren Verwerfungen innerhalb der EU und in der Bundesrepublik sowie zu einer "bisher einmalige(n) Staatskrise" mit "gewalttätigen Ausschreitungen und Demonstrationen" führen könnten. Zu befürchten sei, dass es einer "breit organisierten Bürgerinitiative" zukünftig gelingt, die Berliner Energiepolitik "auszuhebeln". Auftraggeber des "Handlungskatalogs" mit politischen Empfehlungen für die Bundesregierung ist der Kanzleramtsminister de Maizière. Er ist Beauftragter der Bundesregierung für die Nachrichtendienste. Die "Auftragsarbeit im hochaktuellen Umfeld" entstand zwischen Januar und Juni 2008 an der Bundesakademie für Sicherheitspolitik (BAKS) und widmet sich auch den Gefahren "von innen", berichtet ein Teilnehmer. Zuarbeit sei von "hochklassigen" Spezialisten geleistet worden, die den "letzten Schritt zur Volljährigkeit Deutschlands" anmahnen - Deutschlands globale Kriegsfähigkeit.



 
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