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Die Erben Rudolf Steiners haben laut einem Bericht der Süddeutschen Zeitung vom 27. November 2007 die Notbremse gezogen: Künftig solle Band 32 der Steiner-Gesamtausgabe nicht mehr vertrieben werden. Das zuletzt 2004 neu aufgelegte Werk mit dem Titel “Gesammelte Aufsätze zur Literatur” enthält eine Buchbesprechung Steiners aus dem Jahr 1888, der von mehreren Seiten Rassendiskriminierung und Volksverhetzung vorgeworfen wurde. Nun erklärte Cornelius Bohlen, Präsident der herausgebenden Steiner-Nachlassverwaltung, gegenüber der Basler Zeitung: “Wir sind auch der Auffassung, dass einzelne Aussagen rassistisch wirken können.” Im nächsten Jahr wolle man darum eine Kommentierung der umstrittenen Passagen erstellen.

“Judentum hat keine Berechtigung innerhalb des modernen Völkerlebens”

Steiner hatte laut SZ 1888 geschrieben, das Judentum “als solches hat sich aber längst ausgelebt, hat keine Berechtigung innerhalb des modernen Völkerlebens, und dass es sich dennoch erhalten hat, ist ein Fehler der Weltgeschichte”. Alle jüdischen “Sonderbestrebungen” müssten “aufgesogen werden durch den Geist der modernen Zeit”. Aufgrund dieser Sätze stellten der deutsche Journalist Michael Grandt, Autor von “Waldorf Connection”, und der Gründer der Schweizer “Aktion Kinder des Holocaust”, Samuel Althof, Strafantrag. Althof nannte es einen “entwürdigenden und tief verletzenden Vorgang”, wenn man den Juden das Existenzrecht abspreche.

Offen bleibt, ob das Eingeständnis prinzipiell eine neue Sensibilität der anthroposophischen Bewegung im Umgang mit dem Erbe ihres Gründers bedeutet, schreibt die SZ weiter. Die Nachlassverwaltung erklärte jetzt, viele Aussagen Steiners über Rassen würden “den heutigen Kriterien von Diskriminierungsbestimmungen nicht entsprechen”. Mitte November hatte der Bund der Freien Waldorfschulen noch kategorisch erklärt: “Es gibt keinen Rassismus im Werk Rudolf Steiners.

NPD will angeblich Waldorf-Schullandheim eröffnen

Der NPD-Multifunktionär Andreas Molau hatte im Juli angekündigt, ein an der Waldorfpädagogik orientiertes Landschulheim eröffnen zu wollen. Daraufhin wurden die rassistischen Schriften Steiners erneut in der Öffentlichkeit thematisiert. Der Deutsche Lehrerverband forderte von den Waldorfschulen mehr Distanz zum Gründer Rudolf Steiner. Präsident Josef Kraus sagte, das Menschenbild in Steiners Lehre sei problematisch, weil es rassistische Züge beinhalte. In den Niederlanden seien die Schulen darum bereits sehr auf Distanz zum Gründer gegangen.


 
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