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Dr. Hubertus Knabe ist Direktor der Gedenkstätte Hohenschönhausen, nachdem er als Mitarbeiter der Gauck-Behörde allzu keck und eigenwillig aufgetreten war. Die Gedenkstätte war 1989 Untersuchungsanstalt des MfS, und was Knabe erfunden und installiert hat, um sie zum "Gruselkabinett" umzufunktionieren, ist in der Literatur behandelt. Dass Haftanstalten wie Moabit oder Fuhlsbüttel oder andere jenseits der Elbe demnächst auch Museen werden, ist unwahrscheinlich, obgleich da manches mit Nutzen zu vergleichen wäre. Hubertus Knabe ist nicht nur begnadeter Gedenkstättenleiter, sondern auch selbsternannter "Turmwächter der Demokratie". Ich stelle mir vor: In diesem Amt hat er Quartier auf einem übrig gebliebenen Turm der DDR-Grenzsicherung genommen, um weit nach Osten blicken zu können, um - wie die Gänse des Kapitols - jedes Mal Alarm zu schlagen, wenn östlich der Elbe irgend etwas nach DDR riecht oder schmeckt, ob es nun "Erichs Duschgel" ist oder die aufgeknöpfte FDJ-Bluse Kati Witts. Knabes Einsatz rettete die Demokratie.
Red. stark gekürzter Nachdruck aus "Icarus. Zeitschrift der Gesellschaft zum Schutz von Bürgerrecht und Menschenwürde".
Das neue Heft ist mit dem Schwerpunktthema "Politik der organisierten Lüge" soeben erschienen. Weitere Beiträge: R. Hartmann: Groteske "DDR-Aufarbeitung" / W. Richter: Imperialismus und Faschismus heute / D. Joseph: Geschichte klittern / M. Arndt: Zweierlei Integrität? / W. Hütt: Höllensturz ... im Irak u. a.
Zu beziehen bei GBM, Weitlingstraße 89, 10317 Berlin, Preis: 4,90 Euro.
Hubertus Knabe ist unermüdlich auf den Beinen, ist Tausendsassa und Vielschreiber. Er weiß, wie mit Rosenholz-Akten umzugehen ist ("Die Welt" vom 6. Oktober 2006), gibt Order, wann und wie die Hatz auf SED-Funktionäre und Mitarbeiter des MfS zu verstärken ist (BILD vom 29. März 2007), beschimpft Kritiker als "Geschichtsklitterer und Mythenbildner" ("Rheinischer Merkur" vom 12. April 2007). Es scheint ihn mit Stolz zu erfüllen, dass er in den Medien als "Stasi-Jäger" (TAZ vom 29. November 2006) gerühmt wird. Aber für manche ist Knabe auch viel schreibender Historiker. Er weiß, dass die Sowjetarmee im Osten Deutschlands anstelle der Hitlerdiktatur eine neue Diktatur installierte, dass der 17. Juni 1953 ein "Volksaufstand" war (Gott sei dank nicht in der BRD) und dass der "Mauerbau" falsch gewesen sei. Obwohl Knabe alles das nicht erlebt hat, will er den DDR-Bürgern verordnen, wie sie ihre Vergangenheit zu sehen haben. (...)

Das alles und noch mehr lässt sich in dem Buch finden, das Knabe als neue Botschaft unter das Volk gebracht hat: "Die Täter sind unter uns. Über das Schönreden der SED-Diktatur" (Ullstein-Verlag Berlin 2007). Einen "Aufmarsch hoher Stasi-Offiziere" im Frühjahr 2006 in Berlin nahm er zum Anlass, um auf 384 Seiten über die "Täter" herzufallen: "Die Täter sind unter uns, und sie bedienen sich hemmungslos der Vorzüge der Demokratie" (S.7). Der Autor fragt in seinem Buch, "wie das Land nach 1989 mit Tätern und Opfern umgegangen ist". (Ist "Land" wirklich das handelnde Subjekt?) Knabe strapaziert - schon im Titel - den Begriff des "Täters". Das zwingt zu der Frage: Was sind "Täter"? Was tun sie? Wer beurteilt dieses Tun nach welchen Kriterien? (...)

Der kulturell interessierte ältere Leser wird eine weitere Assoziation haben. Die DEFA drehte nach 1945 den berühmten Film "Die Mörder sind unter uns" unter der Regie Wolfgang Staudtes. Ist diese Assoziation von Knabe gewollt? Er vergleicht den Film Staudtes, in dem gezeigt worden war, "wie die Unterdrücker von gestern ohne Unrechtsgefühl in eine neue Zeit gewechselt sind. Für die DDR steht ein solcher Film noch aus." (S. 8) Nun sind zwar die Filbinger und Globke solche Prototypen der "Mörder unter uns", aber sie bildeten Adenauers Mannschaft, wie bei uns in der DDR (fast) jeder wusste. Knabes Trick besteht darin, dass er die faschistischen Mörder den "Tätern" in der DDR gleichsetzt. Nur ein Film fehlt noch (trotz Mühes Mühe in "Das Leben der Anderen", einem Offizier des MfS sein Gesicht zu leihen, was Knabe natürlich lobt). Knabe hat die Stirn, sich bei dieser Gleichsetzung von "Tätern" vor und nach 1945 auf den Artikel 1 des Grundgesetzes zu berufen, der bekanntlich die Achtung der Würde aller Menschen verlangt. Bestimmt Knabe die Ausnahmen? Zu fragen ist auch: Warum stürzt sich Knabe in die neue ideologische Attacke? Er sieht durch seine Brille, dass die "Untaten" des SED-Staates immer weniger präsent bleiben. (...)

Das erste Kapitel trägt den Titel "Die schöne Welt der Diktatur" (S. 11). Wir lesen eine Beschreibung der Trauerfeier für Markus Wolf, kritische Bemerkungen über die PDS ("Noch nie hat die PDS das sozialistische Regime im Osten Deutschlands ohne Wenn und Aber verurteilt", S. 49) und eine Schmähung der PDS als "Partei der Spitzel" ("Bei der Bundestagswahl 2005 schickte die Partei gleich elf Stasi-verdächtige Kandidaten ins Rennen", S. 64). Knabe erinnert an den "Fall Gysi", an Porsch und andere. Ist das alles für Knabe schon schlimm genug, so sind für ihn Tendenzen in der Erinnerungspolitik alarmierend: "Paradoxerweise ist diese DDR-Identität erst nach dem Ende der SED-Herrschaft entstanden." (S. 17) Der Historiker Knabe stellt sich nicht die Frage, warum das so ist. Könnte es sein, dass die meisten DDR-Deutschen erst durch ihre Erfahrung nach 1990 zu erkennen begannen, was Wolf Biermann schon zwanzig Jahre früher erfuhr, nämlich, dass er vom Regen in die Jauche gekommen sei? (...)

Das zweite Kapitel hat den Titel "Täter ohne Strafe". In diesem Kapitel beweist der Historiker Knabe, dass er sein Gehalt auch als Staatsanwalt oder Richter "verdienen" könnte. Er erweist sich als juristischer Experte par excellence, der den Umgang der bundesdeutschen Justiz mit den "Tätern" nach 1990 in Grund und Boden verdammt. Wer "Täter" ist, bestimmt Knabe, und wie er zu verurteilen ist, bestimmt er auch. Er beginnt (S. 79) mit der Lobpreisung des "Wagemuts" Michael Gartenschlägers, der 1976 "Opfer" seiner Grenzprovokationen geworden war. Knabe wertet den Vorgang als "ungesühnten Mord" und tadelt bundesdeutsche Richter, die das nicht so sahen. Er kritisiert die "zahnlosen Sieger" (S. 81), die nicht einmal Misshandlungen von Inhaftierten ahndeten. "Wie anders gingen dagegen die Alliierten nach 1945 vor." Der Ankläger Knabe "vergisst", was er als Historiker wissen müsste: Nürnberg folgte dem Sieg der Alliierten als "Gericht der Völker". Deutsche Ankläger oder Richter gab es nicht. (Und analoge Prozesse in Westdeutschland auch nicht.) In Deutschland soll 1989/90 eine "friedliche Wiedervereinigung" (oder gar "Revolution") stattgefunden haben, die sich als Expansion des aggressiven Imperialismus entpuppte. Wie konnte es da "zahnlose Sieger" (also Siegerjustiz) geben? Nürnberg sühnte die individuelle Schuld der Keitel, Göring und Ribbentrop, präjudizierte keine Kollektivschuld-These. Knabe diagnostiziert das "Chaos der Wiedervereinigung" (S. 70) im Rechtssystem und "Fehler des Einigungsvertrages". Aber welche Fehler kritisiert er, und wen macht er dafür verantwortlich? Knabe erfindet eine "Strafvereitelung durch Gerichte" (S. 99), bei der der Bundesgerichtshof "eine unrühmliche Rolle" gespielt habe. Er kennt keine Gnade: "Mit juristischen Klimmzügen ... erklärte die Justiz einen großen Teil des DDR-Unrechts für straflos." (S. 100) Er behauptet, es habe "Milde gegenüber Richtern und Gefängniswärtern" gegeben und gar "Straffreiheit für Stasi-Mitarbeiter". (S. 107) Als Paradebeispiel nennt er Schalck-Golodkowski: "Trotz zahlloser krimineller Machenschaften musste der Stasi-Offizier im besonderen Einsatz niemals ins Gefängnis." (In den "Erinnerungen" des Franz Josef Strauss könnte Knabe die Gründe dafür erfahren.) Knabe weiß also, wen er in den Knast geschickt hätte. Als juristischer Laie würde ich fragen: Vielleicht war vieles von dem, was die "Siegerjustiz" bestrafen sollte, auch in "demokratischen" Staaten geltendes Recht? Vielleicht kannten einige Richter das völkerrechtlich festgelegte Verbot rückwirkenden Strafrechts (Art. 103 GG)? Möglicherweise gab es die "Untaten" gar nicht, die manche begangen haben sollten? Vielleicht erklärt sich damit das Fiasko der "Siegerjustiz", das Knabe beklagt? (...)

Im dritten Kapitel wechselt Knabe die Seite. Aus dem Ankläger wird der mutige Verteidiger der "Opfer ohne Lobby". Das zwingt wieder zu zwei Fragen: Was versteht Knabe unter "Opfer"? Warum brauchen diese "Opfer" eine Lobby, die sie angeblich nicht haben? Die Antwort gibt Knabe indirekt. Gleich das erste "Opfer" ist sogar ein "vergessener Held" und heißt Herbert Pfaff. Der war Anfang der Sechzigerjahre beim Deutschen Roten Kreuz in Westberlin an Passierscheinstellen beschäftigt, die Besuche in Ostberlin zu genehmigen hatten. Das Passierscheinabkommen galt als Schritt zur Entspannung. Pfaff missbrauchte sein Amt als "Fluchthelfer", der 46 DDR-Bürger "ausschleuste", bis er geschnappt und bestraft wurde. Heute ist er 73-jähriger Rentner mit 627 Euro Rente. Wer dagegen in der DDR "Täter" war, bekommt eine "satte Pension". Die Höhe der Pension nennt er nicht, aber die hätte mit "Täter" und "Opfer" auch nichts zu tun, denn seit Bismarcks Zeiten hatte das Rentenrecht - bis 1990 - nicht als Strafrecht gedient, nicht einmal gegenüber den schlimmsten Nazis. Die Tätigkeit als "Schleuser", Urkundenfälschung und Amtsmissbrauch ist natürlich auch heute vom Gesetz mit Strafe bedroht. Aus seinem Beispiel Pfaff folgert Knabe: "Je stärker sich ein DDR-Bürger mit dem System anlegte, um so geringer ist heute seine Rente." (S. 202) (...) Dabei wäre alles so einfach gewesen: "Eigentlich hätte man (?) nach der Wiedervereinigung die Entschädigungsregelungen für NS-Verfolgte nur auf die Opfer der SED-Diktatur auszudehnen brauchen." (S. 211) Der Leser merke auf: Knabe setzt "NS-Verfolgte" den "SED-Opfern" gleich.

Das vierte Kapitel trägt die unheildräuende Überschrift "Die Stasi lebt". Aber Knabe meint etwas ganz anderes: Es gibt Mitarbeiter des MfS, die (noch) leben und von ihrem Verfassungsrecht Gebrauch machen, sich mündlich und schriftlich zu äußern. Das löst Alarmglocken aus. Das Kapitel beginnt denn auch mit dem Abschnitt "Aufmarsch der alten Kader", der auf einer Versammlung am 14. März 2006 in Berlin stattgefunden habe. Auf dieser öffentlichen Versammlung meldeten sich die früheren Mitarbeiter des MfS Dieter Skiba, Siegfried Rataizick und Wolfgang Schmidt als "Zeitzeugen" zu Wort, weil es um die Gedenkstättenpolitik in Hohenschönhausen ging. Ihr ruhiges Auftreten löste einen Spektakel in diversen Medien aus, die in der Regel überhaupt nichts vom wirklichen Geschehen wussten. Sogar Walter Momper skandalisierte das Geschehen ohne Sachkenntnis im Berliner Abgeordnetenhaus.

Knabes viertes Kapitel scheint für manchen Leser den Charakter eines schlecht recherchierten und noch schlechter redigierten Verfassungsschutzberichts zu haben. Was wirft er wem vor? Im Osten Berlins soll es Straßenzüge geben, die vom "Fluidum der SED-Diktatur" geprägt sind. Mit welcher (Spür-) Nase ist das feststellbar? Manche Leute "wollen partout nicht wahrhaben, dass sie einem unmenschlichen Regime gedient haben". Was aber, wenn diese "Leute" nicht Knabes Empfindungen teilen? (Die DDR ist in der UNO und ihren Organen nie getadelt worden.) Ausgerechnet Bürgerrechtler seien für "Stasi-Mitarbeiter" eingetreten, "die selbst in >der Produktion< keiner mehr haben wollte". (Ein Menschenrecht auf Arbeit scheint Knabe nicht zu kennen.) Einige hätten die "angebliche Stasi-Hysterie im Lande verurteilt". Hat Knabe diese gar nicht wahrgenommen? Und nun beschäftigen sich ehemalige Mitarbeiter des MfS sogar noch mit der "Umschreibung der Vergangenheit": "Inzwischen gibt es eine regelrechte Flut von Veröffentlichungen, in denen die Geschichte des wichtigsten Unterdrückungsinstruments der SED schamlos auf den Kopf gestellt wird." (S. 269) Lässt sich Geschichte auf den Kopf stellen? Lässt sich Geschehenes nachträglich verändern? Oder geht es nicht um das Geschichtsbild über die DDR? Hat Knabe für dieses Bild womöglich Exklusivrechte? Müssen DDR-Bürger ihr Gedächtnis löschen wie einen Computer-Text? Gibt es keine Forschungs- und Wissenschaftsfreiheit? Nur für ihn? (...)

Ein Abschnitt lautet "Die Hohenschönhausen-Lüge". (S. 291 f.) Mancher Leser wird fragen, worin besteht diese Lüge und wer verbreitet sie? Knabe widmet mir in diesem Abschnitt zwei Seiten. Meinen Text "Das Gruselkabinett des Dr. Knabe(lari)" betrachtet er als "vorläufigen Höhepunkt" des Kampfes gegen die Gedenkstätte, aber er versucht nicht, meine Behauptungen und Wertungen zu widerlegen. (...)

Knabe tadelt auch die "Grenzertreffen in Berlin" (S. 299) und behauptet u. a., an der DDR-Grenze sei auf unbewaffnete Menschen geschossen worden wie auf Hasen. Generalleutnant a. D. Leonhardt sei ein "rechtskräftig verurteilter Totschläger". Dass es beim Schutz der Grenze zwischen der DDR und der BRD um die Sicherung des Friedens und nicht um "Hasenjagd" ging, galt (außer z. B. für Knabe, wie sich zeigt) als gesicherte Erkenntnis. Der profilierte Historiker hat auch ein Urteil über ISOR, die "Initiativgemeinschaft zum Schutz der sozialen Rechte ehemaliger Angehöriger bewaffneter Organe und der Zollverwaltung der DDR" parat: "Wie früher die ;Hilfsorganisation auf Gegenseitigkeit der ehemaligen Angehörigen der Waffen-SS (HIAG)´ ist auch ISOR davon überzeugt, dass die Mitwirkung an einem Unterdrückungssystem nicht zu Nachteilen bei der Rentenberechnung führen darf." (S. 309) Knabe nennt ISOR einen "Kampfverband für Luxusrenten", eine "Tätergewerkschaft". Der Historiker scheint einiges nicht zu wissen, z. B.: Seit Bismarcks Sozialgesetzgebung existiert, ist sie nicht als Strafinstrument eingesetzt worden. Die Schergen Hitlers sind unter Adenauer nicht bestraft worden. Globke, Oberländer und Filbinger sind dafür typisch. Es war das oberste Gericht der BRD, das mit einem Urteil die nach 1990 festgelegten Renten als verfassungswidrig aufhob.

Im Abschnitt "Unwichtige alte Männer?" (S. 327) baut Knabe eine mächtige Geisterarmee von 25 000 Mitgliedern mit vielen Verbündeten - sogar in der VVN/BdA mit einflussreichen Medien und Verlagen - auf: "Wie die Neonazis haben sie sich einen geschlossenen kommunikativen Raum geschaffen, in den die Wirklichkeit kaum noch eindringen kann. Sie haben sich dadurch selbst dazu verurteilt, das Leben in der Lüge bis zu ihrem Ableben weiterzuführen." (S. 329) Wie die "Neonazis"? "Leben in der Lüge"? Damit müsse jetzt Schluss sein, meint Knabe: "Allein die verletzten Seelen der Verfolgten zu schützen wären Grund genug, dem Treiben der Obristen ein Ende zu setzen." (S. 330) Er enthüllt, dass "niemand bisher die Frage aufgeworfen (hat), wie man die Opfer des Staatssicherheitsdienstes - und die Gesellschaft - vor dem Geschichtsrevisionismus der Stasi-Kader schützen kann." (S. 333) "Stasi" ante portas - und keine Gans schnattert, wie das wenigstens im alten Rom funktionieren sollte. Immerhin geht es um die "Gesellschaft", also den Kapitalismus. Knabe, der Don Quichotte der "verletzten Seelen", weiß Rat: Das Berliner Finanzamt soll ran, Polizei und Staatsanwalt müssten auch etwas aktiver werden, denn da sei bei den Linken vieles strafbar, z. B. die Verherrlichung von Gewalttaten, die Billigung von Straftaten und die Verleumdung von Teilen der Bevölkerung. Sollte jemand suchen, wo dergleichen täglich stattfindet, braucht er nur die Medien fast aller Farben prüfen. Immerhin bleibt festzuhalten: Knabe möchte, dass über das Geschichtsbild, über wissenschaftliche Erkenntnisse, Medieninhalte und Forschungsergebnisse Finanzamt und Staatsanwälte entscheiden.

(...) Er versichert dem Leser mit frommem Augenaufschlag: "Um Missverständnissen vorzubeugen: Es geht nicht darum, DDR und Nationalsozialismus gleichzusetzen." (S. 335) Er bestreitet, was roter Faden in seinem Buch ist. Wenn Knabe Staaten vergleichen will, also in diesem Falle das "Dritte Reich" mit der DDR, könnte manche Erkenntnis gewonnen werden, noch mehr, wenn die BRD in den Vergleich einbezogen wird. Diese Arbeit wird Knabe vermutlich nicht anpacken, aber sie muss geleistet werden.

Das Vermächtnis von Buchenwald und der Antihitlerkoalition lautete: Nie wieder Krieg! Nie wieder Faschismus! Das erwähnt Knabe mit keinem Wort. Oder habe ich das überlesen?

 
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  Kommentar zum Artikel von IvanDrago:
Freitag, 12.04.2013 - 13:43

"Selbstverständlich sind sie genervt durch die verdienstvolle Arbeit von Hubertus Knabe, der - frei von Eigeninteressen, Schuld oder Täterschaft - sehr gut unterscheiden kann zwischen Tätern und Opfern. Und durch seine Objektivität und historische Akkuratesse ist ein Beitrag für eine ideologiefreie Geschichtsschreibung von bleibendem Wert entstanden."

Da fällt mir nur das zu ein:
[externer link]


  Kommentar zum Artikel von Beleuchter Herbert:
Freitag, 12.04.2013 - 12:06

Dieser sogenannte Historiker ist ein Krebsgeschwür am Nervenzentrum der deutschen Einheit


  Kommentar zum Artikel von Andreas Rochow:
Freitag, 16.10.2009 - 20:35

Sehr geehrter Herr Professor Schneider,

eigenartig, dass es so etwas wie die Gesellschaft zum Schutz von Bürgerrecht und Menschenwürde" zu DDR-Zeiten nicht gab. Jetzt muss Sie zur Ehrenrettung einer Schar ehemaliger DDR-Eliten gegründet werden und engagiert sich mit Inbrunst und ideologischer Verbohrtheit in Sachen Täter-Opfer-Umkehr mit dem Tenor "die DDR war kein totalitärer Staat". Freilich kann man im Rahmen der Totalitarisusforschung auf den historischen Vergleich (mit anderen Diktaturen) nicht verzichten, das bedeutet aber keinesfalls Gleichsetzung. Das müssen gerade Sie als denkgeschulter Intellektueller sehr gut wissen. Auch die Anzahl der Ermordeten oder anders zu Tode gekommenen Menschen in einem Staat sind nicht ausschlaggebend dafür, ein Staatswesen als totalitär zu erkennen. Ebenso wenig die Aussage: Es war nicht alles schlecht. Die Befunde Unfreiheit , Rechtsunsicherheit und Indoktrination durch die führende, religionsartige Rolle der Partei reichen da schon ganz und gar aus. Totalitäre Systeme funktionieren nach Regeln der Massenpsychologie: Allgegenwärtige Angst und Einengung erzeugen eine schweigende Mehrheit, mit der die wenigen Täter nach Belieben verfahren können. Und die fehlende Demokratieerfahrung (ein DDR-typisches Sozialisierungsdefizit !) ist uns nach der friedlichen Revolution gewaltig auf die Füße gefallen!

Selbstverständlich sind sie genervt durch die verdienstvolle Arbeit von Hubertus Knabe, der - frei von Eigeninteressen, Schuld oder Täterschaft - sehr gut unterscheiden kann zwischen Tätern und Opfern. Und durch seine Objektivität und historische Akkuratesse ist ein Beitrag für eine ideologiefreie Geschichtsschreibung von bleibendem Wert entstanden.

"Ihre" DDR ist nicht die meine, in der ich 40 Jahre leben musste! Ich finde es grotesk, mit welcher Beharrlichkeit sie ihren Lebensirrtum, nämlich den, sich für die falsche, die verdientermaßen verloren gegangene Sache, entschieden zu haben, verteidigen. Inzwischen sind sie ein tragischer Ritter in eigener Sache geworden und - mit Verlaub - ihre vielfältigen Versuche, die Geschichte umzuscheiben, einfach lächerlich. Sie haben noch nicht erklärt, weshalb der real existierende Sozialismus der DDR weder nach innen noch nach außen seine behauptete Überlegenheit unter Beweis stellen konnte. Weshalb die DDR politische Häftlinge an den Westen verkaufte und auf "Republikflüchtlinge" schießen ließ (ohne Befehl!). Wieso kritische Intellektuelle ausgebürgert wurden und wieso Industrie und Finanzwesen der DDR am Boden lagen, als 1989 überraschend(???) der Kassensturz kam... Wenn Sie diese Fragen konsequent nicht beantworten und stattdessen nicht aufhören, auch das Unsäglichste in der DDR vehement und - ich sage das ganz betont - hysterisch und mit alten, hohlen Pointen zuverteidigen, wo soll ich Sie dann in den Täter-Opfer-Koordinaten verorten?

Aber: Irren ist menschlich und das Fehlen jeglicher Täter ist ein Kennzeichen untergegangener Diktaturen.

MfG A. Rochow