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    Männer sind! Und Frauen auch!
    [ III ] Fragen an secarts.org: Sie schreiben, der Webmaster antwortet!
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    Wir bekommen viele Beschwerden. Manchmal sind's Lappalien, manchmal hingegen durchaus bedenkenswerte Einsprüche: zu Kategorie eins gehört zum Beispiel die Klage über die "mickrige Textgröße bei den Artikeln" - der Beschwerdeführer übersah anscheinend schlicht den ( - allerdings etwas klein geratenen - ) Zoom-In-Button, mittels dessen sich der Text notfalls auch auf zwei Wörter pro Zeile in Fettdruck vergrößern lässt. Der zweiten Kategorie zuzuschlagen wäre ein innerlinkes Dauerthema, das auch die secarts.org-Leser mit schöner Regelmäßigkeit immer wieder umtreibt: das fehlende Binnen-I in unseren Texten...

    "Liebe secarts.org-Redaktion!

    Seit ungefähr einem Jahr gehöre ich zu den regelmäßigen LeserInnen dieser gut gemachten, informativen und immer aktuellen Webseite. Der Mix der Artikel, die glücklicherweise fehlende belehrende ideologische Unterton, die große Spannbreite der Themen und die ansprechende grafische Umsetzung und der erfrischende Ton der Artikel habt sich gut ab von vielen sonstigen linken Internetblättchen, die entweder kaum lesbar, da nur Bleiwüste sind oder arg doktrinär rüberkommen und nur im Flugblattstil schreiben. Dafür vielen Dank und ein ganz dickes Lob!

    Leider scheint es aber aus mir unverständlichen Gründen zur Redaktionslinie zu gehören, konsequent nur in der männlichen Form zu schreiben und keine der längst gebräuchlichen, nicht diskriminierenden Schreibweisen wie "LehrerInen", "Lehrer(innen" oder "Lehrer/-innen" zu nutzen - und das ist in allen Artikeln so. Warum das so ist, weiß ich nicht - persönliche empfinde ich das als sehr störend, da es eigentlich innerhalb der Linken zum guten Ton gehört, beide Geschlechter gleichermaßen anzusprechen. Auch wenn mich das nun nicht so abschreckt, daß ich hier nicht mehr elsen mag, dürfte das manch anderen schon so gehen. Das wäre sehr bedauerlich, da rein inhaltlich gute Positionen, auch zur Geschlechterfrage, vertreten werden!

    Nehmt die Kritik bitte konstruktiv! Und macht inhaltlich weiter so!

    A."



    Das war doch mal eine nette E-Mail. Fanden wir. Dass es auch anders geht, beweist folgender anonyme Schrieb, der uns jüngst via Kontaktformular scharf rüffelte und am Hauptnerv unseres politisch-gesellschaftlichen Engagements traf:

    "Hier auf fortschrittlich zu machen, im Programm groß "Gleichberechtigung" aufzustellen und "keinen Unterschied zwischen Geschlechtern" machen zu wollen und gleichzeitig konsequent nur Männer anzusprechen ist absurd. Schon mal davon gehört, daß die Hälfte der Menschen aus FRAUEN besteht? Oder interessieren die euch nicht, so daß ihr sie in den Texten nicht anzusprechen braucht!? Tolle Glleichberechtigung!



    Dergleichen erreichte uns schon öfter. Am Anfang schoben wir dies auf eine großangelegte Verschwörung, deren maßgebliches Ziel es sein könnte, unsere redaktionelle Tätigkeit durch gezielte Arbeitsüberlastung mittels nachträglichen Einfügens von Binnen-Is zu sabotieren. Doch anscheinend ist es manchen wirklich ernst, denn sonst käme nicht so viel zu diesem Thema in unseren elektronischen Postkasten. Also werden wir uns die Mühe machen, unsere Geschlechterignoranz vernünftig zu begründen:

    Das "Binnen-I", Gender-Mainstreaming und die "political correctness".
    Oder warum wir da nicht mitmachen.


    Das sogenannte "Binnen-I", also die Zusammenfügung von männlicher und weiblicher Form anstelle des sog. "generischen Maskulinums" zum Beispiel in "LehrerInnen", ist ein Beitrag der Schweizer zur gemeinsamen Sprache; genaugenommen der schweizerischen feministischen Linguistik. Nach Deutschland kam es durch die Übernahme dieser (Un-)Art durch die grün-völkische "TAZ". Weder nach alter, noch nach neuer Rechtschreibung entspricht es den Regeln. Schon aus diesem Grund verzichtet diese schüler- und studentenfreundliche Seite, die sich nicht an den katastrophalen PISA-Ergebnissen mitschuldig machen möchte, auf seine Verwendung.

    Das ist freilich keine erschöpfende Antwort auf das aufgeworfene Problem; gibt es doch mittlerweile auch rechtschreibkonforme Alternativen, um sich keines genderdiskriminierenden Verstoßes bezichtigen lassen zu können - zum Beispiel obig erwähnte Form "Lehrer(innen)" oder "Lehrer/-innen". Das wäre orthographisch korrekt und wird vom Duden mittlerweile auch so empfohlen, wenn man sich nicht mit dem "generischen Maskulinum" abfinden möchte.

    Doch das Problem geht noch weiter: Im Satz eben müsste es auch nicht "wenn man sich...", sondern "wenn mensch sich..." heißen. Und genaugenommen müsste man dann jede Beschreibung einer Gruppe, die aus mehr als einer Person besteht und auch (potentiell!) Frauen enthalten kann, mit dem "Innen" schmücken. Das führt dann zu kaum leserlichen, lächerlich Political-Correctness-verseuchten Stilblüten wie folgendem irgendwann auf Indymedia entdeckten Textlein: "Am Sonntag demonstrierten 200 AntifaschistInnen gegen den Infotisch von 25 FaschistInnen (männliche Angehörige der Kameradschaft Nord) in Hamburg. Wie immer gingen die PolizistInnen mit großer Brutalität vor und schreckten auch nicht vor dem Einsatz von 5 scharfen und nicht mit Maulkörben versehenen Polizeihunden/hündinnen zurück..." Zu dieser Kapriole kommt es, weil man natürlich weder Männer, noch Frauen, noch gar Tiere diskriminieren möchte. Und da die Faschisten zwar in diesem Fall mal tatsächlich nur aus Männern bestanden, aber natürlich potentiell auch Frauen in ihren Reihen haben, wird selbst dann das Binnen-I benutzt, wenn keine Frau dabei war - man will ja auch keinen Nazi resp. keine Nazisse diskriminieren, die vielleicht eigentlich ganz gerne bei besagtem Infostand dabei gewesen wäre, um sich von Hündinnen beschützen zu lassen, aber nur aufgrund der teuren Fahrkarte/häuslich-weiblichen Verpflichtungen nicht mitkommen konnte...
    Und die deutsche Revolution findet wieder einmal, frei nach Tucholsky, aufgrund schlechter Witterung in der Sprachwissenschaft statt. Die vereinigte Gender- und Veganfraktion hat ganze Arbeit geleistet und einen an sich wichtigen Text in Unleserlichkeit und Lächerlichkeit gezogen. Unnötig zu erwähnen, dass deswegen immer noch die Kameradinnen von den braunen Kameraden unterdrückt werden und Polizistinnen strukturell immer noch der Diskriminierung durch Polizisten ausgesetzt sind - und auch bei vielen männlichen Antifas trotz genderkonformer Schreibweise tradiertes Mackergehabe immer noch eine Rolle spielt...

    Nicht lange aufhalten wollen wir uns hier mit der rein sprachlichen Komponente des Problems, denn sie ist nicht der Hintergrund, sondern lediglich die Oberfläche, auf die verschiedene Probleme projeziert werden. Im Deutschen besteht ein Unterschied zwischen Genus und Sexus; eine Gruppe im Plural im Maskulinum angesprochen schließt kein Geschlecht aus. Wenn man zum Beispiel von "den deutschen Polizisten" schreibt, wird intuitiv - weil korrekt - die Polizei mitsamt aller Angehörigen beiderlei Geschlechts verstanden. Ansonsten hieße es - zumindest bei uns - "die männlichen deutschen Polizisten", wenn ausschließlich diese gemeint sein sollten. Anders ist es in der persönlichen Anrede, zum Beispiel in einem Brief: "liebe Freundinnen und Freunde", oder erst recht im Singular: "die Genossin XYZ". Dort ist die geschlechtsspezifische Form nachvollziehbar, korrekt und vernünftig - und auch höflich.

    Doch um orthographische Korrektheit geht es unseren Kritikern in dieser Frage nicht. Der mehr oder weniger ausgesprochene Vorwurf lautet: "ihr schließt Frauen aus"; "ihr diskriminiert". Und da liegt unseres Erachtens das wirkliche Problem: dass Frauen tendenziell in der antagonistischen Klassengesellschaft unterdrückt werden, liegt in der Natur der Sache: das geschlechtliche Äquivalent zur Herrschaft einer Klasse ist die Herrschaft des (männlichen) Geschlechts. Im Kapitalismus also, mithin einer patriarchalischen Gesellschaft, besteht der Nebenwiderspruch der Unterdrückung der Frau durch den Mann, und der wird sich weder durch die beliebte Geschlechterquote, noch durch das Binnen-I beseitigen lassen, sondern nur durch Abschaffung des Kapitalismus. Das heißt natürlich nicht, augenzwinkernd jede Diskriminierung in den eigenen Reihen - die ja auch aus den in dieser Gesellschaft geschaffenen Menschen bestehen und deswegen von strukturellen Ungleichheiten kaum frei sein können - hinzunehmen und auf "nach der Revolution" zu vertrösten. Wohl aber, nicht mit kaum zielführenden Lösungen die Widersprüche zuzukleistern, mit abwechselnd männlich-weiblichen Rednerlisten zum Beispiel noch den größten Blödsinn anzuhören, nur weil nach der Liste "jetzt ein Mann/eine Frau" an der Reihe ist und nicht derjenige, der wirklich was zu sagen hat. Und das heißt auch, es sich nicht schwerer zu machen als nötig - und seinen Lesern ebenfalls nicht. Texte müssen lesbar bleiben, wenn sie etwas bewirken sollen. Mit künstlich hineinkonstruierten sprachlichen Überwindungen der alltäglichen Diskriminierung wird kein Problem gelöst, dafür aber nicht lesbarer Stuß geschaffen. Und für unsere ausländischen, nicht in erster Linie deutsch sprechenden Freunde und Genossen würden wir damit die Lektüre zur Qual machen, da dies allem widerspräche, was sie sich mühsam aus der ungemein schwierigen deutschen Grammatik angeeignet haben.

    Kurzum: wir bleiben beim generischen Maskulinum und verzichten auf political correctness*. Und kämpfen statt dessen lieber für die wirkliche Abschaffung der Ausbeutung des Menschen durch den Menschen; der Unterdrückung der Frau durch den Mann. Das ist möglicherweise heute nicht so wirklich in und passt auch schlecht zur Attitüde der Lifestyle-Prosecco-Linken. Vielleicht ist es auch dogmatisch.
    Dafür aber schreibt sich's kürzer!

    In diesem Sinne,
    herzlichst, euer Secarts.



    * Dies gilt für alle durch die secarts.org-Redaktion veröffentlichten Texte. Bei Texten externer Autoren bzw. Zweitveröffentlichung fremder Texte respektieren wir selbstverständlich das Schreibverständnis der jeweiligen Autoren und lassen - falls erwünscht - natürlich auch das Binen-I stehen! [Anm. der Redaktion]




     
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     Kommentar zum Artikel von Alex :
    Donnerstag, 22.02.2007 - 18:37

    Jawoll, dieser Blödsinn geht dermaßen an der Sache vorbei, dass zumindest ich auch sehr gut ohne leben kann. Oder fühlt sich eine der hiesigen weiblichen XX-geborenen Leserinnen allen Ernstes diskriminiert, weil wir ihr hier nicht die political-correct-mäßigen Buchstaben und Bytes unserer Server zum Opfer bringen???

    Wo soll das hinführen? Kann man, 'tschuldige, mensch nicht auch als Frau Kommunist [sic???] sein? Kommunisten vs Kommunistinnen? Das klingt nach (Haar-)Spalterei. Und wer sagt denn, dass wir immer nur Nettes schreiben? Wollen - mal weit hergeholt - die Faschistinnen allen Ernstes in unseren Texten explizit mit vorgeführt werden?

    Wenn sich Frauen an sowas stoßen und sich von unseren Texten und explizit dem generischen Maskulinum diskriminiert fühlen, dann gehören sie einfach nicht hierher!


     Kommentar zum Artikel von Stephan :
    Donnerstag, 22.02.2007 - 19:07

    es ist sicherlich unbestritten, daß Frauen auch in der Linken einen schwereren Stand haben, auch weil sich viel auf eingespielte Rollenverhältnisse gründet. Eine unauffällig angelegte Strichliste, wie viel Redebeiträge auf einer größeren Diskussion jeweils von Männern und Frauen stammen, fördert oft die Unterrepräsentiertheit weiblicher Beiträge zu Tage.

    Daraus den Umkehrschluß zu ziehen, ein Frauenerstrederecht o.ä, sei daher automatisch eine Verwässerung der Diskussion, ist folglich unfair, umgekehrt ist es, die bestehenden Verhältnisse drücken das Diskussionsniveau (zumindest wenn man von geschlechterunabhängiger Intelligenzverteilung ausgeht). Natürlich ist dann auch das Frauenerstrederecht ein deutlicher Schritt zuviel, denn während die Männer auf ihre Wortmeldung warten müssen (und dabei weiter nachdenken), können Frauen sofort in die Runde quaken - ähnlich oder noch extremer wäre es, abwechselnd Männlein und Weiblein zu Wort kommen zu lassen, sollten dann auf einmal vier bspw. Männer auf der Rednerliste (die dann eben nicht RednerInnenliste heißt) stehen. Das Kaffeefahrtgefühl (wenn hier nicht mal endlich wer was kauft, sitzen wir hier bis Mitternacht) wird dann äquivalent sein dem Druck auf den Frauen, endlich mal irgendetwas zu sagen, damit wieder ein Mann zu Worte kommt.

    Eine Lösung gibt es nicht, wie auch hat secarts doch recht überzeugend dargelegt, daß diese Problematik von den bestehenden Verhältnissen aufoktroyiert sind. Trotzdem ist die Reaktion "Ist doch ein Nebenwiderspruch" mit dem unausgesprochenen "bloß" vielleicht ein wenig zu mickrig, gerade wenn man selbst nicht auf der Looserseite steht. Im Vergleich dazu halte ich das Problem der Anglizismen in der deutschen Sprache (mit dem ekligen Beigeschmack des Nationaltümelns) für relativ irrelevant, auch wenn es mich angesichts zumeist in der Werbung und in der Bundesbahn verwandten Konstruktionen graust.

    Man muß akzeptieren, daß es dieses Problem gibt, man muß Bewußtsein dafür schaffen, daß es sich auch in der Sprache niedergeschagen hat und man solle den Willen zeigen, daß man es ändern will. Dieses leistet das ´Binnen-I, welches ich persönlich als angenehmste Lösung, weil am wenigsten entstellend empfinde. Aber mit political Correctness ist es wie mit dem Salzstreuer: Im Übermaß eingesetzt wird's ungenießbar. So sollte man schon einmal in seine Texte einfließen lassen, daß man von der Existenz des schönen Geschlechts nicht nur etwas weiß, sondern es auch bereit ist, in seine Begrifflichkeiten einfließen zu lassen, jeden Ausdruck hingegen möglichst umfassend auszuformulieren, ist Kappes. In den USA ist als Begriff "Herstory" entstanden, weil der englische Ausdruck für Geschichte zu männlich wirkt. Wir könnten natürlich diesen sehr ichbezogenen Ausdruck in Geschdute, Gescher/sie/este oder Geschwirte umkrempeln, um klarzumachen, daß unsere Person vor den Ereignissen des Weltzeitlaufes zurücktreten mag.

    Fazit: Mal ein großes I im Wort schadet wenig, bringt die Weltrevolution zwar nicht vorwärts, desavouiert sie allerdings auch nicht und könnte auch unter secarts.org ein Plätzchen finden. Natürlich nicht im Sportteil ;-)


     Kommentar zum Artikel von secarts :
    Donnerstag, 22.02.2007 - 19:22

    forget it, Stephan ;-)
    (...um gleich mal einen schönen Anglizismus unterzubringen, mit dem ich übrigens ebenfalls keinerlei Probleme habe!)

    Der TAZ-"Rechtschreibung" schließen wir uns definitiv nicht an. Und deine Beobachtungen bezüglich des (deiner Meinung nach) normalen Verhaltens der (deiner Meinung nach) überwiegend männlichen Teilnehmer auf unseren Veranstaltungen und in unseren Diskussion kann ich mich nun wirklich nicht anschließen: ohne jetzt - aus verschiedenen Gründen - hier öffentlich nachzurechnen und aufzuzählen, habe ich noch nirgendwo so argumentativ starke Frauen - die so wie es sein muss, nämlich: völlig selbstverständlich! - das Wort ergreifen, erlebt wie bei den Kommunisten. Dass es auch bei uns mehr Frauen sein müssten, ist 'ne andere Geschichte und hat wieder mit tradierten Geschlechterrollen, nicht aber mit fehlenden Quoten oder mit fehlendem etabliertem Blödsprech zu tun.

    Wie gesagt: geschlechtliche Ungleichheiten sind Bestandteil dieser Gesellschaft und dementsprechend - logischer Weise! - auch in unseren Reihen anzufinden. Uns von der kleinbürgerlichen Frauenbewegung nun aber Sprach- und Quotenregelungen aufzwingen zu lassen geht meilenweit am Notwendigen vorbei. Fakt ist: nirgendwo ist die Gleichberechtigung auch nur ansatzweise so weit entwickelt wie bei uns. Darauf sollen wir uns zwar nicht ausruhen, viel mehr wird aber unter kapitalistischen Bedingungen kaum rauszuholen sein. Genau das besagt ja das von dir injurierte Wörtchen "Nebenwiderspruch": er lässt sich singulär eben nicht lösen, und wenn, dann immer nur sehr temporär - mit vorprogrammiertem Rückfall...

    ...und wer nun ankäme und sagen würde, "eigentlich müssten die Frauen jetzt mal was dazu sagen", hätte vom Thema rein gar nix verstanden. Erkämpfung der Gleichberechtigung der Frau ist eben keine "Frauenangelegenheit" (resp. Aufgabe der , ich klaue mal deinen Begriff: "Loserseite"), sondern Aufgabe des - geschlechtlich bekanntlich gemischten - Kollektivs.


     Kommentar zum Artikel von Andrea Schoen :
    Freitag, 23.02.2007 - 08:20

    Was geht denn hier ab? Unsere besten Genossen (m) fuehren eine umstaendliche Diskussion um ein Thema, das laengst ausgelutscht ist oder zumindest schien ... tsts, Maenner! ;-)
    Wissen wir nicht spaetestens seit Josef S., dass wir, igigigitt, sogar mit unserem Klassenfeind die gleiche Sprache teilen ... und dass diese daher - selbst wenn wir uns eigene Begrifflichkeiten schaffen - beliebig benutzt und scheinbar eindeutige Begriffe jederzeit umgedeutet werden koennen (ausgenommen von Fachbegriffen, bei denen sich lediglich kleine "Eliten" um Deutungen streiten)? Wir koennen diese (Alltags-)Sprache also unmoeglich bereinigen - weder nach Klassen- noch nach Geschlechtsmerkmalen.
    (Der klassische "Neben-Widerspruch" tut hier also rein gar nix zur Sache, da der "Haupt-Widerspruch" hier im Medium Sprache selbst liegt, capisci?)
    Es bleibt uns folglich nichts anderes uebrig, als unsere Gedanken in das syntagmatische (Satzbau) und paradigmatische (Worte/Begriffe) Schema zu uebertragen, das uns die - in unserem Falle deutsche - Sprache vorgibt.
    Alles andere ist Bullshit, sorry!

    P.S. Maedels, lasst uns doch auf die Inhalte konzentrieren! Sprachliche Zieseleien stoeren nur die Informationsverarbeitung. Mir jedenfalls geht das so ...


     Kommentar zum Artikel von secarts :
    Freitag, 23.02.2007 - 15:19

    liebe Gin. Andrea, du hast natürlich vollkommen recht!

    ...nun stammen aber die beiden zitierten Schriebs (und die weiteren, nicht zitierten Beschwerden, die in die gleiche Richtung gingen) m. E. von kleinbürgerlich-demokratischen Bündnispartnern, also von einem progressiven, nicht aber marxistischen Standpunkt - und so habe ich versucht, sie auch für Nicht-Marxisten verständlich zu erwidern (ob mir das gelungen ist, sei anheimgestellt).

    Wer nun vom marxistischen Standpunkt an diese Frage herangehen will, dem sei folgende Schrift DER MARXISMUS UND DIE FRAGEN DER SPRACHWISSENSCHAFT, auf die du anspielst, von J. W. Stalin empfohlen. Das hätte ich in der Tat erwähnen sollen, danke für den Hinweis!


     Kommentar zum Artikel von paulina :
    Freitag, 23.02.2007 - 15:25

    muß ich jetzt als Frau auch meinen Senf dazugeben? ich machs mal kurz: dieser "Innen"-Schmarrn geht mir voll auf die Nerven bzw. am Arsch vorbei, und ob ich auf ner Diskussion was sagen will oder nicht, entscheide ich immer noch selber, egal, ob sich irgendeine Quotenschnatze darüber aufregt oder nicht.
    Fertig!


     Kommentar zum Artikel von Andrea :
    Samstag, 24.02.2007 - 11:19

    Bravo, Paulina - endlich 'mal eine emanzipierte Frau!
    Dass man mit Begriffsbildung die Realitaet (und ihre Wahrnehmung)
    nicht aendern kann (sondern nur mit Gedanken, in brauchbare Begriffe
    gegossen), zeigt ja auch das schmerzlich-skurrile Begriffbildungsverhalten
    der DDR. Da hiessen Warteschlangen vor Kauflaeden "sozialistische
    Wartegemeinschaften" und Weihnachtsengel "Jahresendfiguren" etc.
    Das hat zur Bewusstseinsbildung so viel beigetragen, dass sich die
    Bevoelkerung vor allem darueber lustig gemacht hat ...


     Kommentar zum Artikel von Stephan :
    Samstag, 24.02.2007 - 12:36

    bist Du sicher, daß es sich bei dem Ausdruck "sozialistische Wartegemeinschaft" um einen offiziiellen Ausdruck handelt?

    Wiglaf Droste hat mal die Frauenbewegung verglichen mit Leuten, die unter Zahnschmerzen leiden. Diese seien nur zu dem Gedanken "Zahnschmerz, Zahnschmerz" beschäftigt, jene "Frauen, Frauen". Wenn jemand/jefraud meine Artikel/Kommentare etc. nicht liest, weil nicht immer, stets und überall beide Geschlechter auch grammatikalisch erwähnt sind, soll er/sie es lassen. Zuweilen jedoch die weibliche Form explizit mitzuerweähnen, kann allerdings auch nützlich sein, im letzten Satz beispielsweise hätte ein isoliertes "sie" etwas denunzieatorisches, ein bloßes "er" etwas verwirrendes.

    Tiefer hängen!


     Kommentar zum Artikel von Ivan :
    Mittwoch, 07.03.2007 - 10:01

    Quotenschnatze ist doch mal eine feministische Wortschöpfung, wenn auch der bayerische Einfluss -rein linguistisch natürlich-nicht zu leugnen ist.
    Was mir Mut macht: siegreiche Revolutionen gab es nur in Ländern (auch) ohne integrierte Schreibweise; Clara Zetkin, eine hervorragende Aktivistin der proletarischen Frauenbewegung, (Einführung des Internationalen Frauentages!) hat an diese Schreibweise nicht einmal gedacht.
    Was mir Angst macht: Seit der Durchsetzung des großen I im Wort (wo wir mit dem Großschreibefimmel sowieso schon immer international belächelt werden) ist zumindest für mich eine Linksentwicklung in Deutschland nicht erkennbar.
    Und: ich stelle mir dieses Frühstücksgespräch in meiner Küche vor. Muss ich die Rechtschreibregeln dann auch mündlich beachten? Sonst Chauvikasse? Auch für Frauen?
    Na ja, immerhin; den Abwasch übernimmt bei mir nicht Stephan, sondern die Spülmaschine.
    Wenn das kein Fortschritt ist!?



     Kommentar zum Artikel von knopf :
    Mittwoch, 07.03.2007 - 13:52

    "Und: ich stelle mir dieses Frühstücksgespräch in meiner Küche vor. Muss ich die Rechtschreibregeln dann auch mündlich beachten?"
    Meiner Meinung nach müsstest du das schon! Denn wenn man diese Regel nur im Akrolekt und nicht im Meso- geschweige denn Basilekt verwendet ist es ganz genau nur Augenauswischerei.
    PRO: Sprachökonomie
    Meiner Meinung nach ist die informale und nicht die formale Ebene von Texten/Sprache relevant (natürlich durch gewisse Regeln determiniert, die das Verständnis sichern!).


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