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Der Tod des faschistischen Ex-Diktators von Chile wird die Trauer in Chile und wohl auch in weiten Bereichen der fortschrittlichen und demokratischen √Ėffentlichkeit in sehr √ľberschaubaren Grenzen halten. Viele - vor allem die Patentdemokraten der so genannten westlichen Welt - wollen oder haben heute bereits vergessen, dass dieser Terrorist in Generalsuniform bei seinem faschistischen Putsch 1973 gegen die gew√§hlte Linksregierung unter Salvador Allende Handlanger des US-Imperialismus und der internationalen Konzerne war.
Sein ganzes Leben hat Pinochet in den Dienst des Kampfes gegen die Kommunisten, gegen die Arbeiterbewegung, gegen die Gewerkschaften, gegen soziale Errungenschaften f√ľr die Arbeiterklasse gestellt.


Sein Tod ist wohl die sozialste Tat, die er gesetzt hat.

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Putschgeneral Augusto Pinochet
Pinochet wurde am 25. November 1915 in Valpara√≠so geboren. Er besuchte ab 1933 die Escuela Militar del Libertador Bernardo O'Higgins in Santiago de Chile, wo er zun√§chst mehrfach abgelehnt worden war. Als die Regierung Videla 1949 die Kommunistische Partei verbot und ein Konzentrationslager f√ľr KommunistInnen in Pisagua er√∂ffnete, wurde Pinochet - indem er sich an den anderen zahlreichen Anw√§rtern auf diesen unr√ľhmlichen Posten vorbeischarwenzelte, Kommandant dieses Lagers. Dort traf er √ľbrigens auch zum ersten Mal Salvador Allende, der als Vertreter des Kongresses das Lager besuchte, um Foltervorw√ľrfe zu √ľberpr√ľfen.

1956 wurde er Milit√§rattach√© an der chilenischen Botschaft in Washington, ab diesem Zeitpunkt war er begeisterter Sch√ľler seiner imperialistischen Herren, die sich seine straighte antikommunistische Ausbildung in zahlreichen Schulungen der US Army viele Dollar kosten lie√üen. Die Brain Trusts des US-Imperialismus ahnten, dass dieser skrupellose rechte Militarist noch seine Meriten f√ľr seine Herren erbringen werde. Jedenfalls stammten seine engen Verbindungen zu hochrangigen US-Milit√§rs und dem Geheimdienst CIA aus dieser Zeit.

1970 wurde er vom Pr√§sidenten Eduardo Frei kurz vor dessen Amts√ľbergabe an Allende zum Brigadegeneral ernannt. Noch Salvador Allende (!) √ľbertrug ihm im Januar 1971 das Kommando √ľber die Heeresgarnison in Santiago de Chile und bef√∂rderte ihn zum Divisionsgeneral.

Ab Ende 1970 wurde Chile von einer sozialistisch-kommunistischen Koalitionsregierung der Unidad Popular unter dem Sozialisten Salvador Allende regiert. Die b√ľrgerliche Opposition lie√ü im B√ľndnis mit Konzernen wie ITT, United Fruit und Kennecott Copper (und nat√ľrlich US-amerikanischer Unterst√ľtzung) die politischen und wirtschaftlichen Spannungen eskalieren, sodass der Kongress dem Pr√§sidenten in einer symbolischen Abstimmung Verfassungsbruch vorwarf. Drei der vier als ¬Ąneutrale Vermittler¬ď gerade einmal zweieinhalb Wochen zuvor zu Ministern ernannten Oberbefehlshaber der chilenischen Teilstreitkr√§fte traten daraufin als Minister und Oberbefehlshaber zur√ľck, unter ihnen auch der Chef des Heeres Carlos Prats. Allende folgte dem Ratschlag des demokratischen und loyalen Prats und ernannte Augusto Pinochet daraufhin zum Oberbefehlshaber des Heeres, in Erw√§gung oder eigentlich im Irrglauben, dass das chilenische Milit√§r sich stets loyal der jeweiligen gew√§hlten Regierung gegen√ľber verhalten habe.

Der Putsch am 11. September

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Pinochet regierte von 1973 bis 1990 nach einem Putsch gegen den gewählten marxistischen Präsidenten Salvador Allende
Im Morgengrauen des 11. September 1973 bombardierten Kampfjets den Pr√§sidentenpalast Moneda. Das Milit√§r st√ľrzte die demokratische Regierung Chiles und Allende kam ums Leben, nachdem er sich stundenlang mit seinen engsten Vertrauten milit√§risch verteidigt hatte. Eine Milit√§rjunta √ľbernahm die Macht und ernannte Pinochet zu ihrem Vorsitzenden. √úber das nationale Radio- und Fernsehnetzwerk lie√ü Pinochet das verbot der politischen Parteien und Gewerkschaften verk√ľnden, l√∂ste den Kongress auf, schr√§nkte die B√ľrger-, Menschen- und politischen Rechte ein, und veranlasste die Verhaftung der F√ľhrung der Unidad Popular.

Unmittelbar nach dem Putsch begann der gnadenlose faschistische Terror, unter Anleitung der CIA-Agenten w√ľtete das chilenische Milit√§r (meist Angeh√∂rige von Luftwaffe und Marine oder Geheimdiensten): Bereits am 11. September wurden Tausende von Menschen aus politischen Gr√ľnden verhaftet. Opfer waren vor allem Mitglieder und Sympathisanten von Regierung, Linksparteien und Gewerkschaften. √Ėffentliche Geb√§ude wie Stadien, Konferenzhallen und Schulen wurden zu Konzentrationslagern umger√ľstet. Der ber√ľchtigste Fall war das Fu√üballstadion Estadio Nacional, in dem schlie√ülich mehr als 40.000 Gefangene zusammengetrieben wurden. Ber√ľchtigt war aber auch wieder das KZ in Pisagua, in dem Pinochet bereits Anfang der f√ľnfziger Jahre Kommunisten foltern hatte lassen. Als Pinochet das Estadio Nacional schlie√ülich - nicht zuletzt auf Grund der internationalen Solidarit√§t mit den Gefangenen - schlie√üen lie√ü, wurde jedoch das Geheimgef√§ngnis Londres 38 er√∂ffnet.

Mit der von Pinochet selbst immer wieder angeordneten Folter sollten die Betroffenen zum Reden gebracht werden, gleichzeitig sollten aber durch Verbreitung von Angst und Schrecken, durch politische Morde und das Verschwindenlassen von Personen alle Gegner des Regimes systematisch eingesch√ľchtert werden. Pinochet setzte ganz bewusst Festnahme, Folterung, Mord oder Verbannung politischer Gegner als Mittel seiner Politik ein.

Die so genannte ¬ĄKommission f√ľr Wahrheit und Vers√∂hnung¬ď erw√§hnte in ihren Aufzeichnungen 2.095 Tote und 1.102 verschwundene H√§ftlinge, andere Berichte z√§hlten Hunderte mehr. Unter Pinochet wurde jedenfalls vom 11. September 1973 bis kurz vor dem Abtritt Pinochets im Jahre 1990, also fast 17 Jahre lang gefoltert und gemordet. Die Valech-Kommission erkannte mindestens 27.255 politische Gefangenen an, darunter 13 % Frauen, die tats√§chliche Zahl d√ľrfte um einige 10.000 Opfer mehr betragen. Davon sind 94 % gefoltert worden. Folter fand in allen Regionen Chiles und in allen gr√∂√üeren St√§dten statt.

Hunderttausende verlie√üen das Land, zahlreiche Chilenen erhielten politisches Asyl in Schweden, der DDR (darunter die heutige chilenische Pr√§sidentin), der Sowjetunion und auch in √Ėsterreich. [Hier bildete sich eine sehr engagierte Chile-Solidarit√§tsbewegung aus kommunistischen, sozialistischen und christlichen AktivistInnen, die wegen der Zusammenarbeit von SozialistInnen und KommunistInnen auf Grund des Verbotes in der "Eisenst√§dter Erkl√§rung" immer wieder unter dem Beschuss der SP√Ė-F√ľhrung stand.]

Pinochet (und seine US-Herren) lie√üen √ľbrigens chilenische Oppositionelle auch im Ausland verfolgen. Im September 1976 wurden der ehemalige chilenische Botschafter in den USA und zeitweise auch Au√üenminister, Orlando Letelier, genau so wie der der Unidad Popular gegen√ľber loyale General Carlos Prats durch Autobomben des chilenischen Geheimdienst DINA, in Washington bzw. Buenos Aires, get√∂tet.

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Jubel bei den Hinterbliebenen der Opfer von Pinochets faschistischer Diktatur - hier feiernde chilenische Kommunisten nach der Bekanntgabe von Pinochets Ableben.
Pinochets Terror wurde sogar manchen anf√§nglichen Mitstreitern zuviel: Gustavo Leigh, Oberkommandierender der Luftwaffe verlie√ü 1978 die Junta. Nicht aber der US-Administration, welche die stetig sinkende Zustimmung in Chile durch gro√üz√ľgige wirtschaftliche, finanzielle und milit√§rische Unterst√ľtzung mehr als kompensierte. So unterwarfen die so genannten "Chicago Boys" ¬Ė Wirtschaftswissenschafter, die an der Universit√§t von Chicago studiert hatten ¬Ė als Berater das gewerkschaftsfreie Land ihren Ausbeuter-Ideen. Nahezu alle Staatsunternehmen wurden privatisiert, die Sozialausgaben extrem verringert. Erst der US-Pr√§sident Jimmy Carter versuchte, "m√§√üigend" auf Pinochet einzuwirken. Das Regime wurde schlie√ülich 1978 von der UN wegen der Menschenrechtsverletzungen verurteilt.

Im Oktober 1988 eine Volksabstimmung dar√ľber durchgef√ľhrt, ob Pinochet der einzige Kandidat bei den Pr√§sidentenwahlen von 1989 sein d√ľrfe. Dabei √ľberwogen jedoch die ¬ĄNein¬ď-Stimmen, worauf es ein Jahr sp√§ter zu freien Wahlen kam. Pinochet wurde am 11. M√§rz 1990 von Patricio Aylwin als Pr√§sident abgel√∂st. Doch gem√§√ü der von ihm 1980 ma√ügeschneiderten Verfassung blieb er Senator auf Lebenszeit und au√üerdem Chef der Streitkr√§fte.

Viele Politiker der Rechten lobten Pinochet f√ľr seine Wirtschaftspolitik, allen voran die britische Premierministerin Margaret Thatcher, die auch nach Pinochets Sturz eine freundschaftliche Beziehung zu ihm pflegte.

1986 wurde durch die Frente Patri√≥tico Manuel Rodr√≠guez (FPMR) ein Anschlag mit einer Panzerfaust auf Pinochet ver√ľbt, bei dem dieser jedoch (leider) nur leichte Verletzungen davontrug. Pinochet wurde f√ľr keinen einzigen Mord und keine einzige Folterung w√§hrend seiner Diktatur zur verantwortung gezogen. Als er 1998 als Senator und Mitglied des Verteidigungsausschusses nach Gro√übritannien reiste und sich mit der Ex-Premierministerin Margaret Thatcher traf, wurde Pinochet wegen eines Auslieferungsantrages seitens Spaniens in London verhaftet. Da auch spanische Staatsb√ľrger unter den Opfern der Milit√§rdiktatur waren, wurde dort gegen ihn ermittelt. Pr√§sident Eduardo Frei Ruiz-Tagle forderte die Freilassung Pinochets, um ihn vor ein chilenisches Gericht zu bringen. Seine Haft in England verbrachte Pinochet unter Hausarrest. Er durfte unbegrenzt Besuch empfangen; unter anderem lie√ü er zu Weihnachten einen Priester aus Chile einfliegen. Die Urteilsfindung wurde durch ein langes politisches Tauziehen zwischen England, Spanien, Chile und weiteren L√§ndern verz√∂gert. Neben der Schweiz hatten auch Frankreich und Belgien Auslieferungsantr√§ge gestellt. 2000 entschied schlie√ülich der sozialdemokratische britische Innenminister Jack Straw, Pinochet freizulassen. Bis zu seinem - allzu sp√§ten - Tod stand er in Chiles Hauptstadt Santiago wieder unter Hausarrest.

 
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