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"Es ist leichter, dass ein Kamel durch ein Nadelöhr gehe, als dass ein Reicher in das Himmelreich eingehe", soll einst ein jüdischer Sektenführer gelehrt haben. (Mt 19,24) - Nun, jenseitige Spekulationen und zweifelhafte Experimente mit palästinensischen Dromedaren seien anderen überlassen, wir wollen beim Diesseits bleiben. Friedrich Karl Flick, der reichste Mann Österreichs, ist im Alter von 79 Jahren verstorben. Uns sollen Herkunft und Hintergrund dieses Reichtums interessieren.


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Zwischen sechs und sieben Milliarden Euro soll der in Deutschland geborene Friedrich Karl Flick an Vermögen hinterlassen haben, steuerschonend geparkt in einer österreichischen Privatstiftung. Diese Stiftungskonstrukte, eine Errungenschaft einer früheren großen Koalition, sind bereits ein Skandal für sich: es handelt sich dabei um nichts anderes als "legale Steuerhinterziehung" - eigentlich erstaunlich, dass der ehrenwerte SPÖ-Finanzminister Ferdinand Lacina seinerzeit in keinem geringeren Ausmaß für Entlastungen der Reichen und Belastungen der einfachen Menschen wirkte, als es Karl Heinz Grasser zuzuschreiben ist. - Doch zurück zu Flick!

Flick sen. und der Faschismus

Friedrich Karl Flick war der Sohn von Friedrich Flick, bereits in der Weimarer Republik und nach dem Zweiten Weltkrieg schließlich abermals der reichste Unternehmer Deutschlands. Dieser Reichtum entstammte zunächst einem der größten deutschen Konzerne der Zwischenkriegszeit, vornehmlich in den Bereichen Stahlindustrie, Kohlebergbau und Rüstung tätig. Friedrich Flick war ein Paradebeispiel nicht nur für die grundsätzlich gegebene Verquickung von Monopolkapital und Politik im staatsmonopolistischen Kapitalismus und insbesondere für die Zusammenhänge des militärisch-industriellen Komplexes, sondern noch viel mehr für die monopolkapitalistischen Hintergründe des Faschismus. Flick sen., auch Mitglied im "Freundeskreis Himmler", überwies in den 1930er Jahren rund 100.000 Reichsmark jährlich an die NSDAP. Während der faschistischen Diktatur 1933-1945 wurde ihm dies reichlich vergolten: die Wehrmacht wurde insbesondere durch Aufträge an seine Unternehmen für den Aggressionskrieg aufgerüstet, der Flick-Konzern konnte sich bedeutende Unternehmen auf dem Weg der Arisierung aneignen, schließlich brachte es das NSDAP-Mitglied Flick sen. zum "Wehrwirtschaftsführer". Letztlich wurde der immense Reichtum der Flick-Familie in diesen Jahren auch durch 50-60.000 ZwangsarbeiterInnen, vornehmlich aus Osteuropa, geschaffen.

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Flick sen. vor dem Nürnberger Kriegsverbrechertribunal
Im Zuge des fünften Nürnberger Prozesses wurde Flick sen. wegen "Versklavung und Verschleppung zur Sklavenarbeit" zu sieben Jahren Haft verurteilt. Von diesen sieben Jahren musste er jedoch nur drei absitzen, schon 1950 wurde er durch US-Hochkommissar John McCloy begnadigt. - Flick sen. machte sodann dort weiter, wo er zuvor aufhören musste: fern jeder Schuldeinsicht verweigerte er bis zu seinem Tod - wie auch sein Sohn bis zum seinigen - jede Entschädigung für die ehemaligen ZwangsarbeiterInnen seiner Betriebe. In den 1960er Jahren war Flick sen. bereits wieder der unumschränkt reichste Mann der BRD, vornehmlich in der Stahlindustrie tätig und u.a. größter Einzelaktionär bei Daimler-Benz sowie mit Beteiligungen z.B. an Krauss-Maffei, Dynamit Nobel oder Buderus. Auch die Parteispenden flossen wieder reichlich, nun eben an Konrad Adenauers CDU und später an CSU-Chef Franz Josef Strauß, letztlich an Helmut Kohl. Und wiederum wurde der faschistische Verbrecher Flick sen. dafür ganz staatstragend belohnt, nämlich 1963 mit dem "Großen Bundesverdienstkreuz mit Stern und Schulterband" - soviel zum Antifaschismus in der BRD.

Flick jun. und die Parteispendenaffäre

Als Friedrich Flick 1972 verstarb, hinterließ er seinem Sohn Friedrich Karl Flick einen Konzern mit 330 Unternehmen, 300.000 Beschäftigten und einem Jahresumsatz von umgerechnet über 9 Milliarden Euro. 1975 verkaufte der Erbe seinen Daimler-Anteil und 1985 schließlich alle Beteiligungen jeweils an die Deutsche Bank AG. Seit 1994 lebte Flick jun. als Steuerflüchtling in Österreich, hierzulande auch Besitzer des größten privaten Forstbetriebes. - Nun ist Friedrich Karl Flick also verstorben, die österreichische Industriellenvereinigung, die Wirtschaftskammer und Jörg Haider zeigten sich betroffen. Aber: War da nicht noch etwas?

Ja, in der Tat! In der ersten Hälfte der 1980er Jahre flog eine Korruptionsaffäre auf, die alle damals im BRD-Bundestag vertretenen Parteien (Union, SPD, FDP) betraf. Der Flick-Konzern hatte die 70er Jahre hindurch Millionen Euro "zur Pflege der politischen Landschaft" aufgewendet. Im Gegenzug gab es Steuerbegünstigungen, konkret ging es um den oben erwähnten Verkauf der Flickschen Daimler-Anteile, wo Flick rund 500 Millionen Euro erlassen wurden. - Nun, es gab im Zuge dieser "Flick-Affäre" Rücktritte und letztlich gar Verurteilungen, aber nachdem ja das gesamte politische Establishment und die monopolkapitalistische Elite verwickelt waren, blieb es bei Bauernopfern. So wurde Flicks "Generalbevollmächtigter" Brauchitsch verurteilt, Flick selbst jedoch nicht einmal vor Gericht gestellt. Bemerkenswert bleibt jedenfalls die methodische Kontinuität eines exemplarischen Monopolkonzerns von der Weimarer Republik über die faschistische Diktatur bis zur BRD. Es mag im Konkreten unterschiedliche politische Formen bürgerlicher Herrschaft geben, aber es gibt nur einen Monopolkapitalismus, der allen zugrunde liegt, und diese Herrschaft der Monopole impliziert offensichtlich Verbrechen.

Friedrich Karl Flick, immerhin ja auch Träger des "Großen Goldenen Ehrenzeichens mit Stern für Verdienste um die Republik Österreich", war vor dem Auge des Gesetzes kein Verbrecher. Schließlich hat er wohl von nichts etwas gewusst. Vielleicht ist das für Flick ein Hintertürchen: "Selig sind die Armen im Geiste; denn ihrer ist das Himmelreich." (Mt 5,3)


dieser Artikel erschien auf www.kominform.at und wurde mit freundlicher Genehmigung übernommen.