DE
       
 
0
unofficial world wide web avantgarde
Artikel:   versendendruckenkommentieren

Kaum eine Debatte hat in den letzten Jahren die Wellen so hoch schlagen lassen wie die Auseinandersetzung um die Gentechnologie im Allgemeinen mit der ¬ĄEntschl√ľsselung¬ď des menschlichen Genoms und die Experimente mit embryonalen Stammzellen im Besonderen.
Die √Ąngste, die mit der Erforschung der Gene bei Vielen entstehen, sind nat√ľrlich verst√§ndlich. Sie beruhen auf der dumpfen Ahnung, dass Wissenschaft und Technik dem Kapital untergeordnet sind und damit der Masse der Menschen fremd und feindlich gegen√ľber stehen. Und die √Ąngste werden bewusst gesch√ľrt: der ¬ĄSpiegel¬ď hatte das Titelbild schon mal voll mit geklonten Hitlers, Journalisten und Pseudowissenschaftler beschw√∂ren den Herrenmenschenwahn, die Medienfabriken liefern die n√∂tigen Romane, Bilder und Filme dazu.

Ein Strickmuster wird dabei deutlich: Das Fixieren des Blicks auf eine erdachte Zukunft mit ihren Perversionen, das Fixieren auf eine negative Utopie, hat keine aufkl√§rerische Funktion. Sie erzeugt f√ľr die Gegenwart den Eindruck der Ohnmacht und des Ausgeliefertseins. Sie lenkt ab von den gegenw√§rtigen Verh√§ltnissen, von der konkreten Perversion, l√§sst sie als noch ertr√§glich erscheinen gegen√ľber dem, was die Zukunft bringen wird.

Die deutsche Gendebatte

Großbildansicht 1-1.jpg (38.4 KB)
© by KAZ Großbildansicht 1-1.jpg (38.4 KB)
Die "Ethik-Kommission": kann Profit denn S√ɬľnde sein?
W√§hrend j√§hrlich viele Millionen Menschen, vor allem auch Kinder, verhungern, Milliarden am Rande des Existenzminimums vegetieren, alte Seuchen wie Cholera und Pest aus dem wachsenden Elend wieder ihr Haupt erheben und neue wie AIDS sich ausbreiten; w√§hrend die Not Menschen in den Entwicklungsl√§ndern und inzwischen auch wieder in Osteuropa dazu treibt, sich als Versuchspersonen den Pharmakonzernen zur Verf√ľgung zu stellen; w√§hrend Notleidende sich Organe entnehmen lassen, damit sie wieder Geld haben, um essen zu k√∂nnen; w√§hrend die Arbeiter kaputt geschafft und die Erde vergiftet und ruiniert wird.

W√§hrend all dies t√§glich und in Massenumfang geschieht, wird in der BRD eine ¬ĄEthikkommission¬ď eingerichtet und im Bundestag geredet und geredet, wann der Mensch samt seiner W√ľrde ein Mensch ist. Um die Entstehung von Menschen macht man sich in Deutschland schon aus Tradition mehr Gedanken als um ihr Leben. ¬ĄDer Tod ist ein Meister aus Deutschland¬ď, aber die befruchtete Eizelle und die daraus entstehenden Zellklumpen sind von h√∂chstem deutschen Staatsinteresse.
Die Debatte um den Embryonenschutz weist die gleiche Tristesse auf wie die Debatten um die Abtreibung. Immer wieder der angebliche Schutz des ungeborenen Lebens, das zum Mythos erhoben wird durch das Ausblenden seiner Erzeuger. Die Frauen insbesondere sind dabei, wie gewöhnlich, die Nebensache, die die Eizellen liefert.
Was der Moloch Kapital mit dem geborenen Leben macht, ist von untergeordnetem Interesse. Der Staat als gesch√§ftsf√ľhrender Ausschuss der Bourgeoisie will sich aber partout nicht aus der W√§chterrolle √ľber die Entstehung des menschlichen Lebens verabschieden. Es k√∂nnten ja pl√∂tzlich die heiligen ¬ĄWerte¬ď der b√ľrgerlichen ¬ĄOrdnung¬ď zur Disposition stehen: Die Familie, das Eigentum, das Erbrecht, der Staat selbst. Stattdessen die Promiskuit√§t (=wahlloser Geschlechtsverkehr) in der Petrischale. Wem ¬Ągeh√∂rt¬ď der Embryo, wann ist er rechtsf√§hig, gesch√§ftsf√§hig, kann eine Erbschaft antreten, von wem? Deutsche aus israelischen oder afrikanischen Stammzellen, statt aus ¬Ąrein arischen¬ď?1 Wo k√§me da ihr rassistisches und nationalistisches Weltbild hin?

Gentechnik gegen reaktionäre Ideologie

Das Wichtigste am erreichten Stand der Genforschung scheint zu sein:
¬Ė Der Mensch stammt aus dem Tierreich, er hat sich buchst√§blich dort herausgearbeitet, durch Arbeit seine F√§higkeiten entwickelt - und steht doch mittendrin. Das Gen, das durch eine besondere Anordnung von Basenpaaren eine eigene Qualit√§t und Identifizierbarkeit erh√§lt, reicht offensichtlich nicht aus um die Besonderheit eines Organismus zu bestimmen. Denn so gravierend sind die Unterschiede in der Genausstattung des homo sapiens und der Fruchtfliege Drosophila nicht, ganz zu schweigen von unserem n√§chsten Verwandten, dem Schimpansen. Noch viel weniger unterscheiden sich die Menschen unterschiedlicher Hautfarbe. Die bisherigen Ergebnisse der Genforschung lassen f√ľr den klassischen Rassismus keinen Raum.
¬Ė Damit aber ist deutlich, dass die Menschen nicht bestimmt werden durch die Qualit√§t ihres Genoms. Der biologische Determinismus, der versucht hatte Intelligenz, Kriminalit√§t oder gar Armut einzelnen Genen eines Individuums zuzuordnen, ist wissenschaftlich widerlegt. Die gesellschaftlichen Verh√§ltnisse, die Existenz der Klassengesellschaft haben keine Grundlage im Erbgut der Individuen und sind damit keineswegs unab√§nderlich. Es gibt kein Arbeiter-Gen.
¬Ė Die ¬ĄNatur des Menschen¬ď, mit der gern die Unvermeidbarkeit von Mord, Totschlag und Krieg begr√ľndet wird, ist offensichtlich das Produkt der Evolution ¬Ė und damit geworden, ver√§nderlich. Die Erkenntnisse der Genforschung zeigen, dass im menschlichen Genom Bestandteile aus Urzeiten, als nur Bakterien die Erde bev√∂lkerten, vorhanden sind. Die genetische Ausstattung stellt ein Potenzial dar, innerhalb dessen eine gro√üe Vielfalt von Verhaltensweisen m√∂glich ist. Wie mensch reagiert, h√§ngt damit von den umgebenden nat√ľrlichen und gesellschaftlichen Verh√§ltnissen ab. Es gibt kein Aggressions-Gen.
¬Ė Die Genforschung zeigt sozusagen im Labor, dass alle Grenzen, die gegen eine Verschmelzung der Menschen unterschiedlicher V√∂lker und Nationen errichtet sind, k√ľnstlich sind. K√ľnstlich errichtet im Interesse des Privateigentums und der herrschenden Klassen und keinerlei Basis f√ľr nationale √úberheblichkeit in einer jeweiligen genetischen Ausstattung bieten. Es gibt kein deutsches Gen. Das l√§sst hoffen.
¬Ė Und: die damit gewonnenen Erkenntnisse versetzen allen religi√∂sen Vorurteilen von der Erschaffung der Welt einen weiteren Schlag und der liebe Gott erscheint nur noch als T√ľftler des genetischen Codes ¬Ąrettbar¬ď ¬Ė rettbar vor seinen eigenen ¬ĄSch√∂pfern¬ď.

Zauberlehrling Gentechnik?

Großbildansicht 1-2.jpg (13.5 KB)
Großbildansicht 1-2.jpg (13.5 KB)
Gene in der Zange oder Gene ohne Grenzen?
Statt diese gro√üartigen Ergebnisse zu feiern, die die widerlichsten ideologischen Gei√üeln der Menschheit wissenschaftlich erledigen und auf den Ideenm√ľllhaufen der Geschichte zu bef√∂rdern helfen, kursiert das Bild vom Zauberlehrling, dem die von ihm in Bewegung gesetzten Naturkr√§fte au√üer Kontrolle geraten.

Das aber ist gerade das, was nicht der Gentechnik anzulasten ist. Genau das ist bei jeder Produktivkraftentwicklung in der Klassengesellschaft, im Kapitalismus und Imperialismus unvermeidlich, das war und ist so beim Webstuhl und der Dampfmaschine, bei der Nutzung der Atomenergie, bei der Nutzung der Informations- und Kommunikationstechnologien. Jede neue Erkenntnis und ihre Anwendung ¬Ė auch im Kommunismus ¬Ė stellt ein Risiko dar. Das Entscheidende im Kapitalismus ist aber, dass der Nutzen der Erkenntnisse privatisiert, ihre Risiken jedoch auf die Gesellschaft abgew√§lzt werden k√∂nnen. Nicht gegen die Erkenntnis gilt es zu k√§mpfen, sondern gegen ihre private, kapitalistische Aneignung, den daraus resultierenden Verwertungszwang und der damit unvermeidlich einher gehenden gesellschaftlichen Verantwortungslosigkeit.
Dass die wissenschaftliche Erforschung der Gene und die Entwicklung der Gentechnologie eine Steigerung der gesellschaftlichen Produktivkraft ist, sollte eigentlich ¬Ė nicht nur unter Marxisten ¬Ė unumstritten sein.2 Das hat nichts mit blinder Fortschritts- oder Wissenschaftsgl√§ubigkeit zu tun, sondern ist eine n√ľchterne Feststellung angesichts der M√∂glichkeiten, die dieses Eingreifen in die Natur mittels Gentechnik f√ľr die Herstellung von Nahrungsmitteln, von Medikamenten und bei der Bek√§mpfung von Krankheiten bietet.

Gerade die Begr√ľnder des wissenschaftlichen Sozialismus haben darauf hingewiesen: ¬ĄDiese Produktivkr√§fte erhalten unter dem Privateigentum eine nur einseitige Entwicklung, werden f√ľr die Mehrzahl zu Destruktivkr√§ften, und eine Menge solcher Kr√§fte k√∂nnen im Privateigentum nicht zur Anwendung kommen.¬ď (F. Engels, Karl Marx, Die Deutsche Ideologie, MEW 3, S. 60)
Und noch deutlicher: ¬ĄDa also die Maschinerie an sich betrachtet die Arbeitszeit verk√ľrzt, w√§hrend sie kapitalistisch angewandt den Arbeitstag verl√§ngert, an sich die Arbeit erleichtert, kapitalistisch angewandt ihre Intensit√§t steigert, an sich ein Sieg des Menschen √ľber die Naturkraft ist, kapitalistisch angewandt den Menschen durch die Naturkraft unterjocht, an sich den Reichtum der Produzenten vermehrt, kapitalistisch angewandt ihn verpaupert usw., erkl√§rt der b√ľrgerliche √Ėkonom einfach das Ansichbetrachten der Maschinerie beweise haarscharf, dass alle jene handgreiflichen Widerspr√ľche blo√üer Schein der gemeinen Wirklichkeit, aber an sich, also auch in der Theorie gar nicht vorhanden sind.¬Ē (K. Marx, Das Kapital, Bd. 1, MEW23, S.465)
Marx leitet daraus zwingend ab, dass es in erster Linie die Eigentums- und Produktionsverhältnisse sind, ohne deren Veränderung an eine systematische, friedliche, der Entfaltung der Menschen dienende Entwicklung der Produktivkräfte nicht zu denken ist. Er zeigt, dass im Kapitalismus, in der die Produktionsmittel in der Hand einer kleinen Klasse konzentriert sind und die Wissenschaft dem Kapital und seinem Profitzwang untergeordnet ist, die Produktivkräfte zwanghaft Destruktivkräfte sind.

Marx stellt dies eindr√ľcklich bereits f√ľr den Konkurrenz-Kapitalismus dar:
Um wie viel mehr trifft das f√ľr den Monopolkapitalismus zu, wo chronische Krisen und Erwerbslosigkeit Hunderte von Millionen Menschen zum Elend verdammen und die √ľberwiegende Masse der Weltbev√∂lkerung (einschlie√ülich der Werkt√§tigen in den imperialistischen L√§ndern) in Unsicherheit der Existenz lebt.3 Damit aber kann die wichtigste Produktivkraft, der Mensch, seine Potenzen gar nicht oder nur unter dem Zwang entfalten, seine Arbeitskraft an den Ausbeuter verkaufen zu m√ľssen, seinem Kommando und seiner Gewalt ausgeliefert zu sein.
[file-periodicals#7.pdf]Und die Entdeckungen, Erfindungen, Forschung und Entwicklung neuer Verfahren und Technologien, die Wissenschaft selbst wird dem Monopolprofit untergeordnet und zur Waffe im Kampf der wirtschaftlich M√§chtigsten um die Vorherrschaft. Die Monopole sind selbst Ausdruck, dass die Erforschung und Nutzung wissenschaftlicher Erkenntnisse schon solch riesenhafter Gebilde, solcher Kapitalmassen bedarf, um die Labors, ihre Ausstattung und ihr Personal zu organisieren und zu finanzieren4 ¬Ė ganz zu schweigen von der Umsetzung der Forschungsergebnisse in Technologie und Produktion. Das Monopol ist aber andererseits auch der viel zu enge Rahmen, in den Erfindungen und Erkenntnis gepresst sind, in dem wie bei der Gentechnologie das Leben selbst verwertet werden soll. Patente auf Gene veranschaulichen das zwar drastisch. Sie sind aber nur die Spitze des Eisbergs, (siehe Patente auf Lebewesen) sind nur der offene Ausdruck daf√ľr, dass die Produktionsverh√§ltnisse, die charakterisiert sind durch das Privateigentum an den Produktionsmitteln, an den Fabriken, Labors, B√ľros usw., zu eng geworden sind. Zu eng f√ľr das gewaltige Potenzial der Produktivkr√§fte.

Unsterblich im Altersheim?

Nehmen wir f√ľr einen Augenblick die Versprechungen aus den Propagandaabteilungen der Konzerne ernst, es solle mittels Gentechnik nur noch sch√∂ne, gesunde und fast unsterbliche Menschen geben. Wie aber: Kommt die Erwerbslosigkeit etwa vom Mangel an Sch√∂nheit und Gesundheit oder von mangelnden profitablen Anwendungsm√∂glichkeiten der Arbeitskraft? Und die Unsterblichkeit? Sie wird die Altersheime nicht wohnlicher machen.
Und noch ist durch die Gentechnologie relativ wenig entwickelt f√ľr Gesundheit und Sch√∂nheit, daf√ľr umso mehr f√ľr Krankheit und Vernichtung. Biowaffen, die in den Arsenalen lagern und gelegentlich auch schon auf die Menschheit losgelassen wurden. Anthrax, das offenbar nach dem 11. September 2001 von einem Mitarbeiter der Entwicklung solcher Stoffe in Umlauf gebracht wurde, um Forschungsmittel f√ľr die Arbeit an Gegenmitteln locker zu machen!

Nahrungsmittel, die durch Gentechnik ver√§ndert werden, verhei√üen das Ende des Hungers. Als ob der Hunger vom Mangel an Weizen, Mais, Reis k√§me. Das Saatgut dieser Welt ist in der Hand von gro√üen Monopolen, die √ľberwiegend der Chemie zuzurechnen sind (darunter die unvermeidlichen IG Farben-Nachfolger Bayer, BASF, Hoechst-Aventis). Die Handelsb√∂rsen und die H√§ndler der Nahrungsmittel sind gro√üe Monopole. Sie alle leben vom Hunger, er ist die Grundvoraussetzung ihres Profits und die Magazine der EU und der USA sind ihre Preisgaranten, die sie vor den sch√§dlichen Folgen guter Ernten bewahren.

Der rationelle Kern an den Werbebotschaften der Gen-Propagandisten: Wir wollen nicht an den Grundfesten des Kapitalismus r√ľhren, an den Produktionsverh√§ltnissen, am Privateigentum generell und am Privateigentum an den Produktionsmitteln im Besonderen. Was sie wollen, ist ein Menschentyp, der die Last und das Elend des Kapitalismus besser, d.h. williger ertr√§gt. Sie wollen den ¬Ąneuen Menschen¬ď, sie wollen die neue Natur, ohne die Ausbeutung abzuschaffen. Die Wurzel des √úbels soll bleiben, aber die Anpassungsf√§higkeit an seine Folgen soll verbessert werden.
Damit werden auch alle Tore zur Eugenik aufgesto√üen, im Nazijargon ¬ĄVernichtung lebensunwerten Lebens¬ď. Die gesellschaftlichen Determinanten von Krankheiten und Behinderungen werden ausgeblendet. ¬ĄNicht die Armen bek√§mpfen, sondern die Armut¬ď hat Fidel Castro dieser Denkweise entgegengesetzt. Dementsprechend: die Ursachen f√ľr Behinderungen und Krankheit bek√§mpfen und nicht die Kranken und Behinderten (und deren Eltern)!

Gen, Angst ¬Ė Volksgemeinschaft?

Großbildansicht 1-3.jpg (55.2 KB)
© by KAZ Großbildansicht 1-3.jpg (55.2 KB)
√ā¬ĄDas Leben eines Menschen ist mehr wert als alles Gold des reichsten Mannes der Welt.√ā¬ď Che Guevara
Gegen diese mit der Entwicklung der Gentechnik transportierten reaktion√§ren, weil an √ľberlebten Verh√§ltnissen festhaltenden, Vorstellungen ist demokratischer Widerstand unvermeidlich. Er zeigt den unaufl√∂sbaren Widerspruch zwischen dem antidemokratischen Allmachtsstreben der Monopole und des Imperialismus und den demokratischen Bestrebungen der Massen. Es sind diese Bestrebungen, die heranf√ľhren an die Frage und die Notwendigkeit, die Herrschaft der Produktionsmittelbesitzer zu st√ľrzen, um nicht nur unsere Gene, sondern unser Leben zu befreien aus ihrem Eigentum und von ihrer Diktatur.5

Dass solche demokratischen Bewegungen missbraucht werden sollen, vor den Karren des eigenen Imperialismus gespannt werden k√∂nnen und dadurch selbst reaktion√§r werden, ist nicht neu und besonders gef√§hrlich. Solange die Mehrzahl der Biopatente in der Hand von US-Firmen liegt, wird die Moral bem√ľht, die Ethik darf sich in Pose werfen; wenn die Gene fest in deutscher Patent-Hand w√§ren, w√ľrde dann der Widerstand erlahmen? Die Allianz der Gr√ľnen mit solch reaktion√§ren Wissenschaftlern und Vertrauensleuten des deutschen Monopolkapitals wie Winnacker oder Markl weist in diese Richtung.6

Das B√ľndnis, das sich in der BRD zusammenbraut, lebt davon, nicht weshalb, sondern dass √ľberhaupt jemand ¬ĄNein¬ď sagt, ohne die Bedrohung zu erkennen, die aus deutscher Volksgemeinschaftsideologie kommt.
Kirchenf√ľhrer, Lebens- und Natursch√ľtzer, Gr√ľne und Unionschristen, Sozialdemokraten und √Ėkofaschisten, Abtreibungsgegner und Feministinnen, Freunde des Weltuntergangs und solche der Reinkarnation und Auferstehung. Gewerkschaftsf√ľhrer melden sich zu Wort, immer gebeutelt von Ethik, Gewissen, der Sicherung des Standorts Deutschland und dem Lockruf von Arbeitspl√§tzen. Antikapitalistische Kritik darf nicht fehlen, aber Klassenkampf oh weh, wo es doch um ¬ĄMenschheitsfragen¬ď geht. R√ľckw√§rts gewandt, auf Hemmung der Entwicklung bedacht, nach Kuschelecken verlangend, wo die (in Auschwitz verbrannten) ¬Ąewigen Werte¬ď noch Bestand haben m√∂gen.
Aber was durch Angst zusammen gehalten wird, ist letztlich immer versucht, mit den st√§rkeren Bataillonen zu gehen ¬Ė mit dem deutschen Monopolkapital, f√ľr deutsche Gene, deutsche Patente, f√ľr Weltgenesung am deutschen Wesen.

Die Kommunisten als Vertreter der Kritik an den bestehenden Verh√§ltnissen haben kein Interesse daran, die √Ąngste des Kleinb√ľrgertums vor neuen Erkenntnissen der Wissenschaft zu sch√ľren und gar den Staat oder die Religion als letzte Zuflucht vor den Zauberlehrlingen in den Laboren und Unternehmen, als Garanten von Moral und ethischen Grunds√§tzen in Anspruch zu nehmen. Wir treten ein f√ľr die vollst√§ndige Freiheit der Forschung, d.h. auch gegen die Hemmung der Forschung durch den Verwertungszwang der Monopole, und f√ľr den umfassenden ideologischen, √∂konomischen und politischen Kampf gegen die menschenfeindliche Nutzung ihrer Ergebnisse durch Monopolbourgeoisie und Staat.

Corell/Arbeitsgruppe Gentechnologie


Anmerkungen:
1
Der Bonner Wissenschaftler Br√ľstle experimentiert mit aus Israel importierten embryonalen Stammzellen.
2 ¬ĄDie Produktionsinstrumente, mit deren Hilfe die materiellen G√ľter produziert werden, die Menschen, die diese Instrumente in Bewegung setzen und die Produktion der materiellen G√ľter dank einer gewissen Produktionserfahrung und Arbeitsfertigkeit bewerkstelligen, bilden die Produktivkr√§fte der Gesellschaft. Die werkt√§tigen Massen sind die Hauptproduktivkraft der menschlichen Gesellschaft in allen Etappen ihrer Entwicklung.
Die Produktivkr√§fte bringen das Verh√§ltnis der Menschen zu den f√ľr die Produktion der materiellen G√ľter benutzten Gegenst√§nden und Kr√§ften der Natur zum Ausdruck.¬ď (Akademie der Wissenschaften der UdSSR, Politische √Ėkonomie, Lehrbuch 1, Frankfurt/Main 1971 (Nachdruck der DDR-Ausgabe von 1955)
¬ĄDie b√ľrgerlichen Produktionsverh√§ltnisse sind die letzte antagonistische Form des gesellschaftlichen Produktionsprozesses, antagonistisch nicht im Sinn von individuellem Antagonismus, sondern eines aus den gesellschaftlichen Lebensbedingungen der Individuen hervorwachsenden Antagonismus, aber die im Scho√ü der b√ľrgerlichen Gesellschaft sich entwickelnden Produktivkr√§fte schaffen zugleich die materiellen Bedingungen zur L√∂sung dieses Antagonismus. Mit dieser Gesellschaftsformation schlie√üt daher die Vorgeschichte der menschlichen Gesellschaft ab.¬Ē (K. Marx, Zur Kritik der Politischen √Ėkonomie, Vorwort, MEW 13, S. 8f.)
3 Im Monopolkapitalismus/Imperialismus hat das allgemeine und absolute Gesetz der kapitalistischen Akkumulation seine praktische und globale Verwirklichung gefunden: ¬ĄDie Akkumulation von Reichtum auf dem einen Pol ist also zugleich Akkumulation von Elend, Arbeitsqual, Sklaverei, Unwissenheit, Brutalisierung und moralischer Degradation auf dem Gegenpol, d.h. auf Seite der Klasse, die ihr eigenes Produkt als Kapital produziert.¬ď (K. Marx, Das Kapital, Bd. 1, MEW Bd. 23, S. 675)
4 Die neuen Unternehmen auf dem Sektor der Gen- oder Biotechnologie, sog. ¬Ąstart-ups¬ď, scheinen diesen Zusammenhang zu widerlegen (scheinbar klein, dynamisch, unabh√§ngig), best√§tigen ihn aber eindringlich: Wenn sie nicht direkt Ausgr√ľndungen von gro√üen Konzernen sind (nicht zuletzt, damit die sich nicht die Finger ¬Ė √∂konomisch und politisch ¬Ė in einem umstrittenen Terrain verbrennen) unter ihrer direkter Beteiligung, dann kommen sie nur an die B√∂rse mit Hilfe der Gro√übanken, die wiederum eng mit den Monopolen der Industrie verflochten sind.
5 ¬ĄDer Kapitalismus √ľberhaupt und der Imperialismus insbesondere verwandelt die Demokratie in eine Illusion ¬Ė und zugleich erzeugt der Kapitalismus demokratische Bestrebungen in den Massen, schafft er demokratische Einrichtungen, versch√§rft er den Antagonismus zwischen dem die Demokratie negierenden Imperialismus und den zur Demokratie strebenden Massen. Der Kapitalismus und der Imperialismus k√∂nnen durch keinerlei, auch nicht durch die ¬āidealsten¬Ď demokratischen Umgestaltungen, sondern nur durch die √∂konomische Umw√§lzung beseitigt werden; ein Proletariat aber, das nicht im Kampf f√ľr die Demokratie erzogen wird, ist unf√§hig, die √∂konomische Umw√§lzung zu vollziehen.¬ď (Lenin, Antwort an P. Kijewski (J. Pjatakow), LW23, S.13)
6 vgl. FAZ v. 12.10.01


dieser Artikel wurde mit freundlicher Genehmigung aus der KAZ - Kommunistische Arbeiterzeitung - Nummer 304 / Mai 2003 √ľbernommen.


 
Creative Commons CC BY-NC-ND 4.0
Inhalt (Text, keine Bilder und Medien) als Creative Commons lizensiert (Namensnennung [Link] - Nicht kommerziell - Keine Bearbeitungen), Verbreitung erwünscht. Weitere Infos.