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Wenn es Donald Trump nicht schon g├Ąbe und er nicht US-Pr├Ąsident geworden w├Ąre, dann m├╝sste die Bundesregierung ihn erfinden. Denn allem Geheul ├╝ber den drohenden Weltuntergang zum Trotz: Noch kein amerikanischer Staatschef hat den deutschen Strategen so sehr in die H├Ąnde gespielt wie dieser. Nicht nur, dass Trump mit seiner isolationistischen Wende ganze Kontinentalm├Ąrkte r├Ąumt; nicht nur, dass sich die deutschen Massenmedien in der Rolle der Aufkl├Ąrer, ja der Anti-US-Imperialisten sonnen und einen ├ťberbietungswettbewerb in kreativer Zweckentfremdung psychiatrischer Fachbegriffe zur Beleidigung dieses Staatsoberhauptes f├╝hren d├╝rfen. Trumps ┬╗America first┬ź gestattet der Bundesregierung auch einen Konter, der ganz ohne ┬╗Deutschland ├╝ber alles┬ź auskommt. Dieser Nationalismus kann sich als Notwehr, gar als bittere Erfordernis gerieren. Aufr├╝stung? Will niemand. Aber Trump ...

Nun hat der Neue im Wei├čen Haus bislang nicht verlangt, die Aussetzung der deutschen Wehrpflicht r├╝ckg├Ąngig zu machen, aber auch dieses Szenario wird nicht ohne ┬╗aber Trump!┬ź durchgespielt. Erinnern wir uns: Unter der ├ägide des Verteidigungsministers Karl Theodor zu Guttenberg war die Wehrpflicht abgeschafft worden. Nicht, um Kriegsdienstverweigerern das Leben leichter zu machen, sondern weil eine gro├če Rekruten┬şarmee zwar f├╝r die Erfordernisse des Kalten Krieges (oder f├╝r einen Angriffskrieg gegen DDR und UdSSR) passte, nicht aber f├╝r schnell mobilisierbare ├ťberfallkommandos, die in kurzer Zeit abh├Ąngige Staaten ├╝berall auf der Welt knacken k├Ânnen.

Seit Trump sich immer mehr M├╝he gibt, sein Programm zur Kenntlichkeit zu bringen, herrscht in Berlin Sektlaune, die man lieber f├╝r sich beh├Ąlt. Aus dem ┬╗Partner┬ź ist ├╝ber Nacht ein Konkurrent geworden. Damit ist die westliche Nachkriegsarchitektur Makulatur, und niemand sollte glauben, dass das den Deutschen ungelegen kommt. Denn es sind die Sieger von einst, die nun den Besiegten auffordern, sich selbst um seine imperialistischen Belange zu k├╝mmern. Trump ist, davon darf man ausgehen, mit der brutalen Durchsetzung US-amerikanischer Interessen hinreichend ausgelastet.

Auf ┬╗Augenh├Âhe┬ź will Sigmar Gabriel Amerika begegnen. ├ľkonomisch ist der deutsche Imperialismus davon nicht weit entfernt; gegen├╝ber den USA erwirtschaftet er seit Jahren Kapital├╝bersch├╝sse (Trump wei├č das). Doch zur echten imperialistischen Parit├Ąt fehlt die Milit├Ąrmaschine. Das wissen Gabriel wie Merkel. Deshalb die ganze Debatte um forcierte Aufr├╝stung, um Wiederauflage der Wehrpflicht, um die deutsche Atombombe.

All das, was da ist, wird immer irgendwann auch eingesetzt. ┬╗Auf Augenh├Âhe┬ź nat├╝rlich, der neue Feind ist ja eine Weltmacht. Das ist schon zweimal schief gegangen. Doch jede, wirklich jede noch so primitive einzellige Lebensform der Erde hat eine bessere Lernkurve als der Imperialismus.


Erschienen am 24.02.2017 in der Tageszeitung junge Welt. Die junge Welt st├Ąrken, jetzt Abo abschlie├čen!


 
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