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    Von gr

    Der 1. Weltkrieg brach nicht einfach aus. Genauso wenig sind die Politiker und Militärs des Deutschen Reiches aus Unfähigkeit hineingeschlittert, wie neu erschienene Bücher dazu behaupten. Der 1. Weltkrieg hat sich bereits lange vor dem August 1914 angebahnt. Forderungen, wie die des damaligen Staatssekretärs des Auswärtigen Amtes, Bernhard von Bülow, im Jahre 1897: „Wir wollen niemand in den Schatten stellen, aber wir verlangen auch unseren Platz an der Sonne“, kündigten ihn an.

    Wer waren diese „wir“? Es waren die Besitzer der im 19. Jahrhundert im großen Stil gegründeten Unternehmen. Es waren die Herren von Siemens (1847) oder AEG (1883), der Deutschen Bank (1870 von einem der Siemens-Brüder gegründet), die Hütten- und Stahlbarone wie Krupp (1811) und Thyssen (1871), die Besitzer der Chemiefabriken (wie BASF, Bayer, Hoechst, jeweils 1863 gegründet). Sie waren im Vergleich zur Konkurrenz in Frankreich oder England spät dran, wo die notwendigen gesellschaftlichen Umwälzungen für eine die ganze Gesellschaft umfassende kapitalistische Entwicklung schon ein bis zwei Jahrhunderte vorher vollzogen worden waren. Dadurch hatten die deutschen Kapitalisten aber den Vorteil, ihre Fabriken mit damals modernsten Maschinen ausstatten und so im Vergleich zur ausländischen Konkurrenz hohe Profite aus der Schufterei der Arbeiter ziehen zu können. Sie konnten auf dem bisher erreichten Wissensstand der Menschheit weiter forschen und mit neuen Entdeckungen auf den Markt drängen. So schlossen sie in kurzer Zeit zur Konkurrenz auf bzw. überholten sie. Eine neue wirtschaftliche Großmacht entstand.

    Neuaufteilung der Welt

    Bald wurde das Deutsche Reich als „heimischer Markt“ zu klein, um die vielen Waren absetzen und das durch die Ausbeutung der Arbeiter erzielte Kapital wieder Profit bringend anlegen zu können. Doch nun mussten die Herrschaften in Deutschland erkennen, dass die Welt schon aufgeteilt war. Im Westen waren es die alten Großmächte England und Frankreich mit ihrem riesigen Kolonialbesitz in Afrika und Asien, die dem Drang der deutschen Kapitalisten nach weiteren Absatzmärkten, Einflusszonen, um ihr Kapital anzulegen, und Rohstoffen Grenzen setzten. Im Süden waren die Besitzer der Banken und Fabriken Italiens ähnlich spät dran wie in Deutschland und strebten nun ihrerseits nach Anteil an der Welt. Im Osten lag das große Russische Reich, das seinen Einfluss verteidigte. Und über dem Atlantik schlossen die Kapitalisten des erst seit gut 100 Jahren unabhängigen Staates, der USA, frei von jedem feudalen Ballast, ebenfalls schnell auf. Der Kampf um die Neuaufteilung der Welt begann, noch in tiefsten Friedenszeiten.

    Zuspitzung der Widersprüche

    … durch Bagdad-Bahn


    Er fand seinen Ausdruck in so zivilen Unternehmungen wie dem Bau der Bagdad-Bahn, der Ende des 19. Jahrhunderts begann. Finanziert wurde er von der Deutschen Bank, die mit den aus der türkischen Bevölkerung herausgepressten Steuern, die zur Rückzahlung der Kredite mit Zins und Zinseszins gebraucht wurden, zu einer der führenden Banken der Welt aufstieg. Thyssen lieferte die Schienen, Maffei und Borsig die Lokomotiven, Bilfinger und Berger bauten die Bahnhöfe. Rüstungsprojekte für die deutsche Rüstungsindustrie wurden vereinbart, deutsche Militärberater in die Türkei geschickt. So machte sich das Deutsche Reich die Türkei abhängig und auf den Weg, seinen Einfluss weiter bis zum Persischen Golf auszudehnen. Es drang dabei in die Einflusszonen von England und Russland ein und machte sich so beide zu Feinden.

    … und Panthersprung

    Es folgten die Marokko-Krisen 1906 und 1911. Vor allem auf Geheiß der Gebrüder Mannesmann, Hüttenbesitzer und Röhrenhersteller, die nach den Erzvorkommen Marokkos schielten, versuchte das Deutsche Reich Marokko unter seinen Einfluss zu zwingen. Doch auch Marokko war kein weißer Fleck mehr auf der Landkarte, sondern stand unter französischer Vorherrschaft. Der Konflikt mit Frankreich wurde so weit getrieben, dass deutsche Kriegsschiffe ins Mittelmeer entsandt wurden. Das Deutsche Reich setzte zum „Panthersprung“ an, wie es damals, auf den Namen eines der Kriegsschiffe anspielend, hieß. Doch die kaiserliche Kriegsflotte musste sich zurückziehen, nachdem die englische Regierung der französischen unmissverständlich ihren Beistand gegen den Eindringling zusagte. Die Widersprüche zwischen den Mächten verschärften sich.
    • Auf Draht 21.01.2014
    Auf Draht 21.01.2014 (© by KAZ und DKP München)
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    England, Frankreich und Russland verbündeten sich zur Entente. Das Deutsche Reich schloss sich mit dem vom Zerfall bedrohten Österreich-Ungarn und Italien zum Dreibund zusammen. Überall wurde fieberhaft aufgerüstet.

    Für Profit und Vaterland

    Die Kriegsursachen lagen also nicht in der Fähigkeit oder Unfähigkeit der Regierungen. Diese vertraten die Interessen der Kapitalisten ihrer Staaten, die sich zur herrschenden Klasse entwickelt hatten. Dabei behaupteten sie damals, wie auch heute noch, die „nationalen Interessen“ zu verteidigen. Es waren die kapitalistischen Verhältnisse selbst, die zum Krieg drängten.

    Und es war vor allem das Deutsche Reich, das eine Neuaufteilung der Welt zu Gunsten seiner Kapitalistenklasse mit Gewalt erzwingen wollte. Das Attentat auf den österreichischen Thronfolger in Sarajewo war dann nur mehr der Vorwand für den Kriegsbeginn. Österreich-Ungarn wurde von den deutschen Verbündeten ermutigt, Serbien den Krieg zu erklären. Russland reagierte darauf mit einer Teilmobilisierung seines Militärs, woraufhin das Deutsche Reich Russland am 1. August und Frankreich am 3. August1914 den Krieg erklärte. Das große Schlachten begann – im Interesse der winzigen Klasse von zu spät groß und mächtig gewordenen Kapitalisten, die einen Platz an der Sonne wollten.

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     Kommentar zum Artikel von retmarut :
    Sonntag, 02.02.2014 - 19:03

    Guter, schön komprimierter Artikel zum Jahrestag des Kriegsbeginns 1914. Ich glaube, das ist auch für Kollegen, die geschichtlich nicht so gebildet sind und ihre Infos aus BILD oder von G. Knopp haben, gut verständlich und nachvollziehbar.


     
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