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    Kampf um Köpfe und Hände
    Bundeswehr forciert Anwerbung von Jugendlichen
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    In Kooperation mit der Bundesagentur für Arbeit forciert die Bundeswehr die Rekrutierung von Jugendlichen und Heranwachsenden. Integraler Bestandteil der entsprechenden Maßnahmen ist die Auflösung der Kreiswehrersatzämter und ihre Ersetzung durch sogenannte Karrierecenter respektive Karriereberatungsbüros. Die Zahl der neuen Personalwerbeeinrichtungen wird die der bisherigen Kreiswehrersatzämter um mehr als das Fünffache übersteigen. Hintergrund ist der stetig voranschreitende Umbau der Bundeswehr zu einer ausschließlich aus Berufssoldaten und Zivilangestellten bestehenden Interventions- und Besatzungsarmee, die insbesondere mit Wirtschaftsunternehmen um die "besten Köpfe und Hände" konkurriert. Um die Deckung des Personalbedarfs der Truppe zentral steuern zu können, wurde erst unlängst ein "Bundesamt für Personalmanagement" ins Leben gerufen, das künftig ebenso für die Rekrutierung von Soldaten wie von zivilen Mitarbeitern zuständig ist. Der für das Massaker im afghanischen Kunduz mit über 140 Toten verantwortliche Oberst Georg Klein bekleidet hier den Posten eines Abteilungsleiters.

    Arbeitgeber Bundeswehr

    Wie die Bundeswehr mitteilt, wird ihre "Nachwuchsgewinnung" zur Zeit "von Grund auf neu gestaltet".1 Integraler Bestandteil dieses Prozesses ist die Auflösung der bis dato 52 Kreiswehrersatzämter und ihre Ersetzung durch sechzehn "Karrierecenter", 110 "Karriereberatungsbüros" und bis zu 200 "mobile Büros". Der als "Aufbruch in eine neue Ära" bezeichnete Vorgang 2 vollzieht sich in enger Kooperation mit der Bundesagentur für Arbeit (BA). So ist etwa die sogenannte Karriereberatung der deutschen Streitkräfte auch in den Liegenschaften der BA präsent, deren Medien gleichzeitig über offene Stellen bei der Truppe informieren. Außerdem erhalten die Arbeitsvermittler der BA spezielle Schulungen über den "Arbeitgeber Bundeswehr".

    Kampf um Köpfe und Hände

    Die aktuelle Umstrukturierung des Rekrutierungswesens entspricht den Vorgaben der vom Bundesverteidigungsministerium bereits 2010 beauftragten "Strukturkommission" unter Leitung des BA-Präsidenten Frank-Jürgen Weise, eines Oberst der Reserve. Hintergrund ist die stetig voranschreitende Transformation der Bundeswehr in eine weltweit agierende Interventions- und Besatzungsarmee, die ausschließlich aus Berufssoldaten und zivilen Angestellten besteht. Den deutschen Streitkräften zufolge geht es daher darum, im "direkten Wettbewerb zur Wirtschaft" den "Kampf um die klügsten Köpfe und geschicktesten Hände zu gewinnen" (german-foreign-policy.com berichtete3). Insbesondere ihren sogenannten Karrierecentern komme hierbei eine "Schlüsselfunktion" zu, erklärt die Truppe.4 Sie ermöglichten es dem Militär nicht nur, als "einheitlicher Arbeitgeber" aufzutreten5 und "alle wichtigen Informationen" über sich "flächendeckend" anzubieten6, sondern auch gleichermaßen Kandidaten für militärische wie für zivile Laufbahnen "unter einem Dach" einer Eignungsprüfung zu unterziehen: "Manche Bewerber, die zunächst auf eine militärische Laufbahn hoffen, sind für eine zivile Verwendung viel besser geeignet - und umgekehrt."7 Laut Bundesverteidigungsminister Thomas de Maizière positionieren sich die deutschen Streitkräfte auf dem hart umkämpften Arbeitsmarkt für Fachkräfte damit "besser als zuvor".8

    Leidensfähigkeit erforderlich

    Von Seiten der Bundeswehr wird besonders betont, dass in der Hälfte ihrer "Karrierecenter" die Möglichkeit besteht, sogenannte Assessments durchzuführen. Wie diese mehrtägigen Eignungstests ablaufen, erläutert die deutsche Kriegsmarine am Beispiel des vormaligen "Zentrums für Nachwuchsgewinnung" in Wilhelmshaven. Nachdem die Bewerber einen "biographischen Fragebogen" ausgefüllt haben, müssen sie sich zunächst einer ärztlichen Untersuchung unterziehen, die nicht nur Aufschluss über ihre "allgemeine Fitness" geben soll, sondern auch über einen etwaigen Drogenkonsum. Solcher wird ebensowenig akzeptiert wie Vorstrafen oder ein "auffälliger Kleidungsstil". Es folgen verschiedene psychologische Tests, bei denen sowohl Konzentrations- und Reaktionsfähigkeit ermittelt werden als auch technische, mathematische und sprachliche Kompetenz. Danach dürfen die Kandidaten "einen Blick auf ihren künftigen Arbeitsplatz werfen" - im vorliegenden Fall eine für die "U-Bootjagd" sowie die "See- und Luftzielbekämpfung" vorgesehene Fregatte. Abschließend erhalten sie folgenden Hinweis: "Man braucht eine hohe Motivation und sollte leidensfähig sein. Die ersten vier Wochen an Bord waren bisher fast für jeden die Hölle."9 Gleichzeitig wird ihnen ihr zukünftiger Job als "vielseitig und interessant" schmackhaft gemacht; dies zeige sich vor allem daran, dass ein Marinesoldat an Bord eines Schiffes immer mehrere Aufgaben übernehme: "Der Koch ist hauptsächlich Koch. Er kann aber auch im Gefecht beispielsweise als Unterstützungspersonal im Sanitätsdienst oder zum Löschen von Feuer und Stopfen von Lecks eingesetzt werden."10

    Militärkarrieren

    Um die Nachwuchsrekrutierung für die deutschen Streitkräfte künftig zentral steuern zu können, hat das Bundesverteidigungsministerium erst unlängst in der Kölner Lüttich-Kaserne ein "Bundesamt für Personalmanagement" eingerichtet. Die hier stationierten 3.000 Mitarbeiter sollen einer Selbstdarstellung zufolge "erstmals in der Geschichte der Bundeswehr Personalgewinnung, Personalentwicklung und Personalausgliederung gemeinsam für militärische und zivile Bedienstete aus einer Hand" betreiben und sowohl die neuen "Karrierecenter" wie auch die "Karriereberatungsbüros" führen.11 Zu den im Bundesamt Tätigen zählt Oberst Georg Klein, der hier seit dem 1. Dezember als "Abteilungsleiter Personalführung Unteroffiziere/Mannschaften" wirkt und nach Medienberichten aufgrund seiner neuen Stelle in den kommenden Monaten mit einer Beförderung zum Brigadegeneral rechnen kann.12 Klein ist verantwortlich für die Bombardierung zweier von afghanischen Aufständischen nahe Kunduz geraubter Tanklaster, bei der mehr als 140 zumeist jugendliche Benzindiebe ums Leben kamen. Für seinen Tötungsbefehl wurde er weder straf- noch zivilrechtlich belangt (german-foreign-policy.com berichtete13).


    Anmerkungen:
    1 Neue Karrierecenter: Landesweit auf Personalsuche; www.bundeswehr.de 26.11.2012
    2 Karrierecenter Hannover als Leuchtturmprojekt; www.bundeswehr.de 08.08.2012
    3 Weiterhin einer der größten Arbeitgeber; mil.bundeswehr-karriere.de 08.08.2012. S. dazu auch Dramatische Nachwuchslage (I) und Dramatische Nachwuchslage (II)
    4 Neue Karrierecenter: Landesweit auf Personalsuche; www.bundeswehr.de 26.11.2012
    5 Karrierecenter Hannover als Leuchtturmprojekt; www.bundeswehr.de 08.08.2012
    6 Neue Karrierecenter: Landesweit auf Personalsuche; www.bundeswehr.de 26.11.2012
    7 Karrierecenter Hannover als Leuchtturmprojekt; www.bundeswehr.de 08.08.2012
    8 Ende und Neubeginn: Kreiswehrersatzämter werden aufgelöst; www.bundeswehr.de 26.11.2012
    9 Kurs Karriere: Am Zentrum für Nachwuchsgewinnung; www.bundeswehr.de 06.06.2012
    10 Überblick: Das Zentrum für Nachwuchsgewinnung der Marine; www.bundeswehr.de 06.06.2012
    11 Bundesamt für Personalmanagement nimmt Arbeit auf; www.bmvg.de 04.12.2012
    12 Neue Stelle für Oberst Klein; www.berlinerumschau.com 04.12.2012
    13 s. dazu Die Bomben von Kunduz und Ungesühnt




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    externer Link: http://www.german-foreign-policy.com/de/fulltext/58491
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