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    Für diese Untersuchung im Auftrag des DGB wurden insgesamt 6 083 abhängig Beschäftigte aus allen Branchen, Regionen und Betriebsgrößen zu ihren Arbeitsbedingungen befragt, davon waren 1 238 unter 35 Jahre alt. Wichtig: Auszubildende und jobbende Studenten sind in dieser Stichprobe bewusst nicht enthalten, es geht also ausschließlich um Jungarbeiter.

    Der DGB hat im Rahmen des DGB-Index "Gute Arbeit" jetzt zum vierten Mal eine repräsentative Sonderauswertung zur Lage der Arbeiterjugend unter 35 Jahren vorgelegt.

    Eine der Fragen war die nach der Einkommenssituation und den Arbeitszeiten, der Arbeitsintensität und den psychischen wie physischen Belastungen. Die Ergebnisse belegen: Auch die jüngeren Kolleginnen und Kollegen leiden enorm an ihrer Arbeit. Ihr jugendliches Alter macht sie keineswegs immun gegen die Folgen ihrer Arbeitsbedingungen in der völlig den Kapitalinteressen unterworfenen, deregulierten Arbeitswelt, die sich immer mehr und stärker in ihr Privatleben einfrisst.

    Eines der zentralen Probleme ergibt sich aus dem Einkommen und der Art ihres Beschäftigungsverhältnisses. Knapp die Hälfte (47 Prozent) der Befragten ist unbefristet beschäftigt und verdient mehr als 1 500 Euro im Monat, nur rund ein Drittel (37 Prozent) mehr als 2 000 Euro. Noch immer macht es einen erheblichen Unterschied, ob man als Frau oder Mann sich bei der Arbeit krumm legt. So haben zu 47 Prozent der jungen Männer, aber nur 25 Prozent der jungen Frauen einen unbefristeten Arbeitsplatz mit einem Bruttoeinkommen von über 2 000 Euro. Fast jede bzw. jeder Vierte bezieht ein niedrigeres Einkommen als 1 500 Euro im Monat, jede Sechste gar unter 800 Euro.

    Folglich bewertet fast die Hälfte der Jungarbeiter, nämlich 47 Prozent, seine Einkommenssituation als negativ, besonders die prekär Beschäftigten haben große Schwierigkeiten, mit ihrem sauer verdienten Geld über die Runden zu kommen. Eine sichere Lebensplanung ist für viele der Befragten unmöglich. Etwas mehr als ein Fünftel (21 Prozent) ist befristet beschäftigt, jede bzw. jeder Zehnte arbeitet in der Leiharbeit (4 Prozent) oder als MinijobberIn (7 Prozent). Frauen sind von den Minijobs stärker betroffen als Männer, jede zehnte junge Frau hat einen Minijob, aber nur vier Prozent der Männer.

    "Gerade prekär Beschäftigte haben mangels verlässlicher Perspektiven in einer wichtigen Lebensphase keine Wahl, in der wichtige persönliche Entscheidungen anstehen, zum Beispiel Familiengründung oder Altersvorsorge", sagte bei der Vorstellung der Untersuchung das DGB-Vorstandsmitglied Ingrid Sehrbrock. Das Durchschnittseinkommen der Jungarbeiter liegt bei 1 960 Euro brutto, viele aber liegen deutlich darunter. Einem Single ohne Kinder bleiben davon gerade mal 1 300 Euro im Monat zum Leben.

    Wer kann da noch etwas für die private Altersvorsorge beiseite legen? Daher glauben drei Viertel der Befragten (75 Prozent) nicht, dass sie später einmal von ihrer Rente leben können. Eine Sorge, die besonders den prekär beschäftigten Jungarbeitern unter den Nägeln brennt.

    Überstunden meist am Wochenende

    Als besonders belastend werden die unregelmäßigen Arbeitszeiten empfunden. Fast jede bzw. jeder zweite Befragte (40 Prozent) gab an, oft zwischen 18 und 23 Uhr am Abend arbeiten zu müssen. Fast so viele (39 Prozent) müssen an Wochenenden arbeiten, jeder Achte (12 Prozent) auch nachts. Grundsätzlich arbeitet fast die Hälfte der Beschäftigten in Westdeutschland, nämlich 45 Prozent, 40 Stunden und mehr, in Ostdeutschland sind es sogar 62 Prozent, also fast zwei Drittel. Meist sind es Überstunden, die abends oder am Wochenende geleistet werden müssen. Überstunden sind für viele junge Beschäftigte nicht die Ausnahme, sondern die Regel - mehr als zwei Drittel der Befragten (70 Prozent) gaben an, regelmäßig Überstunden zu leisten. Sehr häufig aber nicht "nur" zwei oder drei Stunden, nein 41 Prozent leisten mehr als fünf Überstunden die Woche, für jede Fünfte bzw. jeden Fünften (19 Prozent) sind es sogar regelmäßig mehr als zehn Überstunden, die zu leisten sind.

    Leistungsdruck steigt

    Das zeigt, dass in der betrieblichen Alltagswirklichkeit permanent tariflich vereinbarte Arbeitszeiten unterlaufen werden. Die drastische Beschleunigung und Intensivierung der Arbeit lässt die Arbeit zur Maloche verkommen. Mehr als jede bzw. jeder zweite junge Beschäftigte (56 Prozent) hat daher den Eindruck, dass in den letzten Jahren immer mehr in der gleichen Zeit geschafft werden muss. Und wieder sind es die Frauen (61 Prozent), die davon besonders betroffen sind. Aber auch 52 Prozent der Männer teilen die Einschätzung der Frauen. Erhebliche Unterschiede sind auch in den einzelnen Branchen festzustellen. Bei den so genannten sozialen Dienstleistungen sind es nur 29 Prozent, im Baugewerbe dagegen 83 Prozent. Eindringlich warnte René Rudolf, DGB-Bundesjugendsekretär: "Durch die zunehmende Belastung steigt auch bei den jungen Beschäftigten das Risiko von chronischen Erschöpfungszuständen." Während Überstunden Zeit für Privates stehlen, kommt es aber auch immer mehr zum Verschwimmen von Arbeit und Privatem. Immer mehr können nicht mehr abschalten und nehmen ihre Arbeit mental mit nach Hause. Mehr als jeder Dritte (34 Prozent) gibt an, auch zu Hause noch an Schwierigkeiten bei der Arbeit denken zu müssen. Mehr als einem Viertel der Beschäftigten (28 Prozent) fällt es schwer, nach der Arbeit abzuschalten. 16 Prozent der Befragten geht es im Urlaub sogar so. Und jeder Siebte (14 Prozent) erledigt "sehr häufig" oder "oft" in der Freizeit noch Aufgaben für den Betrieb. Wenn Arbeit und Privatleben so verschwimmen, bleibt das nicht ohne Folgen für die Gesundheit und das Wohlergehen der Beschäftigten. Denn dadurch verkürzt sich die nötige Zeit zur Erholung und Regeneration.

    Zwar fühlen sich mehr als zwei Drittel der Führungskräfte (69 Prozent) gestresst, aber bei den Hilfsarbeitskräften sind es mit 67 Prozent fast genau so viele. Sie werden aber mit wesentlich weniger "Schmerzensgeld" dafür entlohnt. 70 Prozent der Befragten gaben an, dass sie in den vergangenen zwölf Monaten mindestens einmal krank zu Arbeit gegangen sind, jede bzw. fast jeder Zweite (48 Prozent) sogar zwei oder mehrere Male. Schwer körperlich zu arbeiten, gaben 38 Prozent der Befragten an. Besonders gilt dies für die Beschäftigten im Baugewerbe (65 Prozent), aber auch für die Bereiche Handel, Verkehr und das Gastgewerbe mit 43 Prozent und den Gesundheitssektor mit 46 Prozent. 60 Prozent aller Befragten nannten eine "ungünstige Körperhaltung" als belastend, fast jede bzw. jeder Zweite (48 Prozent) klagt über Lärm bzw. laute Umweltbedingungen. Insgesamt empfindet gut die Hälfte der jungen Beschäftigten (53 Prozent) die Arbeit als körperlich belastend.

    Alles in allem: Dieser Kapitalismus ist nicht länger zu ertragen, denn er garantiert kein auskömmliches Leben und schadet der Gesundheit.

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