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Im Augenblick ist die Aufregung gro├č, es gab viele Spekulationen ├╝ber die Herkunft des Erregers und viele Neuerkrankungen. EHEC - enteroh├Ąmorrhagische Escherichi coli - sind Bakterien, und zwar eine Gruppe der Coli-Bakterien, die jeder Mensch und auch Tiere nat├╝rlicherweise im Darm haben. Viele Untergruppen der Coli-Bakterien sind mehr oder wenig krank machend, sogar die im Darm vertr├Ąglichen. Wenn sie z. B. in die Blase geraten, dann kann es Blasen- und Nierenbeckenentz├╝ndungen geben. EHEC-Keime k├Ânnen zu schweren Durchfallerkrankungen f├╝hren. Solche Keime, die Toxine (Giftstoffe) produzieren, k├Ânnen Darmblutungen hervorrufen und das h├Ąmolytisch-ur├Ąmische Syndrom - HUS -, das durch schwerste Organsch├Ąden gekennzeichnet ist bis hin zum Nierenversagen. Die zur Zeit zunehmende Zahl EHEC-Kranker hat diese Giftstoffe produzierenden Bakterien im Darm. Auffallend ist, dass dieser Typ vorher nie gesehen wurde und Teile von mindestens zwei verschiedenen Typen enth├Ąlt. Au├čerdem ist er resistent gegen weitverbreitete Antibiotika. Es stellen sich Fragen:
  • Warum warnen die Gesundheitsbeh├Ârden vor spanischen Gurken, wenn sie noch nicht gekl├Ąrt haben, ob die darauf gefundenen Bakterien identisch sind mit den zurzeit krankmachenden? Dass die Typisierung zur endg├╝ltigen Identifizierung geh├Ârt, wei├č jeder Laborant, der in einem bakteriologischen Labor arbeitet. Ganz abgesehen davon, dass solche Keime nichts auf Gurken zu suchen haben.
  • Warum ├╝berhaupt wird so krampfhaft nach der Quelle gesucht, die Gem├╝se verseucht? Bisher war immer Lehrmeinung, dass EHEC haupts├Ąchlich im Darm von Rindern, Schafen und Ziegen sind und deshalb am ehesten ├╝ber Fleisch oder Rohmilch ├╝bertragen werden oder ├╝ber G├╝lle, die aber nicht ausgebracht werden darf auf verzehrf├Ąhige Pflanzen. Haupt├╝bertragungsweg sind Schmierinfektionen: Die Keime gelangen von Darmausscheidungen von Tieren oder Menschen auf die H├Ąnde und von da in den Mund oder auf Lebensmittel und weiter in den Darm.
  • Wer hilft den Klein- und Mittel-Bauern, die ob der Spekulationen jetzt teilweise ihre Existenz verlieren? Die Gro├čen werden noch gr├Â├čer werden.
  • Warum ist es in Deutschland nicht m├Âglich, Transport- und Verpackungswege von Lebensmitteln zur├╝ckzuverfolgen bis zum Hersteller?
  • Welche Rolle spielt der Gro├čeinsatz von Antibiotika auch bei der Tierzucht bei der Entstehung von Bakterien wie den zurzeit kursierenden EHEC? Welche Rolle Desinfektionsmittel und Konservierungsmittel?
  • Wie steht es mit der tats├Ąchlichen Einhaltung von Hygienevorschriften und st├Ąndigen Kontrollen?
  • Warum wird aus EHEC-Bakterien wie zuvor aus vielen anderen Lebensmittelskandalen, die zu schweren Erkrankungen, ja zum Tod von Menschen f├╝hrten, ein medienbeherrschendes Thema?

Es w├Ąre statt dessen viel dringender dar├╝ber zu berichten, dass in Kriegen weltweit Hunderttausende sterben: In Afghanistan, in Libyen usw. In Afghanistan starben zudem schon 52 deutsche Soldaten. Wie viele Menschen insgesamt? Von diesen Toten ist jeder zu viel. In den Medien nur ein Bedauern und die Forderung nach noch mehr Kriegsger├Ąt. Warum nicht: Schluss mit dem Afghanistan-Krieg, deutsche Soldaten nach Hause!

Es w├Ąre statt dessen viel dringender ├╝ber die massenhafte Vernichtung von Lebensmitteln in den entwickelten kapitalistischen Industriel├Ąndern, die nach wie vor zunehmende Nutzung landwirtschaftlicher Fl├Ąchen f├╝r die Biospritproduktion, die Finanzspekulationen usw. und als Folge ├╝ber die zunehmende Lebensmittelknappheit in vielen afrikanischen, asiatischen bzw. mittel- und s├╝damerikanischen Staaten zu berichten. Der weltweite Agrarboom der letzten Jahrzehnte beg├╝nstigte gro├če Exporteure und Handelsketten. Die Intervention der Weltbank, die vorrangige F├Ârderung exportorientierter Gro├čbetriebe sowie die Subventionierung ihrer Produkte f├╝hrten in diesen L├Ąndern zum Konkurs vieler Kleinbauern. Hinzu kommen meist gestiegene Kosten f├╝r Saatgut, D├╝nger usw.

An Hunger aufgrund steigender Lebensmittelpreise sterben pro Tag etwa 24 000 Menschen. Und deren Zahl wird in den n├Ąchsten Jahren m├Âglicherweise stark steigen. In Nordafrika haben die Menschen aufbegehrt gegen Hunger und ein elendes Leben.

Dar├╝ber berichten und grundlegende Ver├Ąnderungen einfordern - und nicht wochenlang ├╝ber EHEC viele Fehlinformationen und Spekulationen verbreiten!

 
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  Kommentar zum Artikel von retmarut:
Montag, 20.06.2011 - 23:00

Wenn sich die Medien in EHEC-Panik ├â┬╝berschlagen, r├â┬╝cken in der Tat Meldungen ├â┬╝ber Libyen oder Afghanistan in den Hintergrund. Da ist vielen die Gurke auf dem Teller eben n├â┬Ąher als die tagt├â┬Ąglichen Bombardements durch NATO-Kampfflieger und -Drohnen.

Die russische RIA Novosti meldete übrigens vor 11 Tagen folgendes:

Das Pekinger Institut f├â┬╝r Genomforschung ber├â┬Ąt derzeit Deutschland in Bezug auf die Ausbreitung der Darminfektion, die die russische Verbraucheraufsichtsbeh├â┬Ârde Rospotrebnadsor zum Einfuhrverbot f├â┬╝r Gem├â┬╝se aus der Europ├â┬Ąischen Union bewogen hat, schreibt die ├ó┬Ç┬×Iswestija├ó┬Ç┬ť am Donnerstag.

Wie die Zeitung am Rande einer Bundes- und Landesministertagung inoffiziell erfuhr, sollen die Deutschen f├â┬╝hrende ausl├â┬Ąndische Fachleute um Beratungshilfe gebeten haben und seien nun darum bem├â┬╝ht, dass die diesbez├â┬╝glichen Kontakte nicht an die ├â┬ľffentlichkeit k├â┬Ąmen. Der Grund daf├â┬╝r: Sie wollten ihr Unverm├â┬Âgen nicht gegen├â┬╝ber den Bundesb├â┬╝rgern zugeben.

Hauptberater sei das Institut f├â┬╝r Genomik Peking, das weltweit gr├â┬Â├â┬čte Zentrum f├â┬╝r DNA-Forschung, so die Zeitung.


Etwas gutes hat die EHEC-Panik jedenfalls: Die Blockadehaltung seitens der EU gegen einen WTO-Beitritt Russlands wurde erheblich aufgeweicht. (Bisher wurde das Beitrittsbegehren immer mit russischen Zugest├â┬Ąndnissen gegen├â┬╝ber Georgien, das ja von der EU gegen Russland in Stellung gebracht wurde, verkn├â┬╝pft.)

├ó┬Ç┬×Ich denke, dass das Embargo auf die Gem├â┬╝seeinfuhr aus der EU vielleicht entscheidend f├â┬╝r den Beschluss der EU war, Russland endlich in die WTO zu lassen├ó┬Ç┬ť, sagte der Chef des russischen Instituts f├â┬╝r politische Forschung Sergej Markow am Freitag.

Und laut RIA Novosti vom 14.06.2011:
[Medwedjews Wirtschaftsberater Arkadij] Dworkowitsch best├â┬Ątigte, dass Moskau die Europ├â┬Ąer wegen der EHEC-Seuche unter Druck setzen konnte, um Fortschritte bei Visafreiheit und WTO-Beitritt zu erreichen.

├â┬ťbrigens: Laut statistischem Bundesamt wurden im Jahr 2010 nach vorl├â┬Ąufigen Ergebnissen auf Deutschlands Stra├â┬čen 3.651 Personen durch Verkehrsunf├â┬Ąlle get├â┬Âtet. Das sind pro Tag ungef├â┬Ąhr 10 Personen. - Das Leben ist halt gef├â┬Ąhrlich, auch ganz ohne Gurke und Tomate.